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Kae Tempest: „Realität zum Mitnehmen“. Eine Rezension von Johann Voigt

Kae Tempest bildet die Gegenwart und Depression des modernen Londons schon immer besser ab als andere Rapschaffende. Auf dem neuen Album folgt nun der Blick nach innen.

Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende. Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Schon vor dem Coming-out als nicht binäre Person im Sommer 2020 hatte Kae Tempest ein Programm. Drei Soloalben waren zu diesem Zeitpunkt bereits unter dem alten Namen von Tempest erschienen, voll mit politischer, wütender, immer sehr poetischer Rapmusik, außerdem einige Theaterstücke und Gedichtbände. Und vorher: Jugend in Südlondon, mit 16 Schulabbruch, Drogen gedealt, viel gesoffen, getourt durch abgeranzte Open-Mic-Clubs, gekämpft mit psychischen Problemen und der eigenen Geschlechteridentität.



Schreiben war dabei stets das Druckventil von Tempest, der einzig denkbare künstlerische Ausdruck und irgendwann auch, ganz offiziell, eine Existenzgrundlage. Heute ist Tempest 36 Jahre alt und gilt in Londoner Musik-, Bühnen- und Literaturkreisen gleichermaßen als Bezugsfigur. Letztes Jahr wurde in der britischen Hauptstadt Paradise uraufgeführt, Tempests Adaption eines Stücks des griechischen Klassikers Sophokles. Nun erscheint ein neues Rapalbum, The Line Is a Curve, heiß ersehnt und angekündigt als großes Szeneereignis. Warum ist das so?



© Zeit Online, 8.4.2022

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