Neues Album von Kae Tempest „Ich ist ein Anderer“

Greifbarere Songstrukturen und Coming-out: Kae Tempest verzichtet auf ein t im Vornamen und veröffentlicht das neue Album „The Line Is A Curve“. Von Diviam Hoffmann.

Zwanzig Jahre habe ich mit einem Stift in der Hand verbracht“, schreibt Kae Tempest – und fängt jetzt noch mal von vorne an: bei sich selbst. Mit dem neuen Album „The Line Is A Curve“ ergründet Tempest auch, wie man als Person in der Öffentlichkeit bestehen kann: „Ich versteckte mein Gesicht hinter meinem Wunsch, mein Werk für sich selbst sprechen zu lassen. Jetzt möchte ich, dass sich die Leute von mir persönlich zur Musik eingeladen fühlen.“

Bisher veröffentlichte Kae Tempest mit einem t mehr im Vornamen. Im Sommer 2020 outete sich Tempest als trans und verwendet seitdem die geschlechtsneutralen Pronomen they/them, für die es im Deutschen keine eindeutige Übersetzung gibt. Tempest, aufgewachsen im Süden Londons, begann mit 16 bei Open-Mic-Abenden aufzutreten, meist an der Schnittstelle von Rap und Spoken Word. 2014 erschien das Debütalbum „Everybody Down“.



Zum Finale erklingt das hingebungsvolle Stück „Grace“, dessen Musik auf sparsamen Gitarrenakkorden basiert: „Grace“ erzählt von absoluter Selbstaufgabe in der Liebe: „Let me give love, receive love and be nothing but love, in love and for love and with love.“ Ob die Worte einem konkreten Gegenüber, etwa der eigenen Partnerin gelten, ob es sich um ein Liebeslied an die LGBTIQ-Community handelt – Kae Tempest scheint genau zu wissen, wo die Akzeptanz zu finden ist.



© TAZ, Kultur, 2.4.2022



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