Ella Fitzgerald war eine der bedeutendsten Jazzsängerinnen des 20. Jahrhunderts. Dabei wollte sie eigentlich Tänzerin werden. Aber bei einem Amateurwettbewerb…
Der Impuls zu erschaffen beginne, so schrieb es einmal die Lyrikerin Adrienne Rich, oft auf schreckliche Weise in einem Tunnel der Stille. Vor drei Jahren geriet Keeley Forsyth in solch einen Tunnel, als eine schwere Depression ihr eine Zeitlang selbst das Sprechen unmöglich machte.
So entwarf die als Schauspielerin bekannt gewordene Britin notgedrungen ein Alter Ego für sich, mit dem sie singend aus diesem Tunnel herausfand.
Die Stimme, die sie für ihr berührendes, Folk-orientiertes Debütalbum »Debris« einsetzt, zeichnet sich glücklicherweise nicht durch Zurückhaltung aus: Wie eine Goth-Reinkarnation von Judy Henske, die Scott Walker anerkennend zunickt und weder vor der Hingabe einer Anohni noch vor Nicos Todessehnsucht zurückschreckt, inszeniert sie sich mit viel melancholischem Pathos zu einer Ausnahmeerscheinung. Privat höre sie am liebsten Broadway-Musicals, verriet Forsyth in einem Interview, »West Side Story« sei eines ihrer Seelenpflaster.
© Jungle World, Dschungel, 14.4.2022
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