Kunsthalle Düsseldorf: Conrad Schnitzler: Der Mann mit dem Soundhelm (bis zum 14. August 2022)

In den 1970er und 1980er Jahren war der Beuys-Schüler Conrad Schnitzler einer der großen Wegbereiter der elektronischen Musik und des Environments. Ohne ihn wäre „Kraftwerk“ wohl undenkbar gewesen. Die Kunsthalle Düsseldorf widmet sich seinem Werk. Und wir komponieren Schnitzler aus biografischen Schnipseln.

Gott sei Dank konnte Conrad Schnitzler keine Noten lesen, und zum Glück versagte er als Kind beim vom Vater verordneten Geigenspiel, denn sonst hätte ihn die Musikwelt verloren. So machte er die gute alte Audiokassette zu seinem Resonanzraum und die Kassettenrekorder zu seinem Orchester.

Dabei reichte Schnitzler eine Kassette nicht aus, ebenso wenig wie ein analoger Synthesizer: Er wollte mehrere Klänge gleichzeitig spielen können und verschaltete dazu auch schon einmal ein Meer an Apparaten zu seinen „Kassettenorgeln“.

Bis zu zwölf Rekorder setzte Schnitzler für seine wegweisenden, von ihm erfundenen und in der jeweiligen Situation erst zu Ende komponierten „Kassettenkonzerte“ gleichzeitig ein. Die Kassettenrekorder wurden von Performer*innen im Publikum herumgetragen. So entstand ein immer wieder anderes, einmaliges Klangerlebnis. Diese Konzerte dauerten oft Tage.


Wichtiger Hinweis am Rande: Am 13. August 2022 um 15 Uhr in die Kunsthalle Düsseldorf gehen! Da veranstalten Wolfgang Seidel und Ken Montgomery, zwei Wegbegleiter Conrad Schnitzlers, ein  Schnitzlersches Kassettenkonzert mit räumlich und zeitlich arrangierten Klängen. Unbedingt anhören.


Unfassbar für das Ordnungsamt

Bei der Ars Elektronica 1980 in Linz forderte Schnitzler das Publikum sogar dazu auf, seine eigenen Rekorder mitzubringen. Am Anfang des Konzerts verteilte er seine Kassetten und wanderte mit den Menschen als „Wandelnde Elektronik-Klangwolke“ durch die Stadt.



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