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Lesetipp: Antje Rávic Strubel „Menschliche Aggregatzustände“

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Von Carola Wiemers

„Unter Schnee“ hieß Antje Rávic Strubels erster Episodenroman. Darin findet sich der Satz: „Der Schnee macht sekundenlang blind“. Was nach dieser Blindheit kommt, davon handeln die 13 Geschichten in ihrem neuen Roman „In den Wäldern des menschlichen Herzens“. Beleuchtet werden vor allem die inneren Landschaften der Figuren. „Wenn ich über Licht schreibe, dann ist Wasser natürlich ein Element, was ganz wichtig ist, weil es reflektiert und weil es gleichzeitig das Farbspektrum abbilden kann und Schatten der umgebenden Landschaft – also es ist wie so eine Spiegelfläche. Und vielleicht auch als Unterbrechung von Landschaften, weil es diese flüssigen Übergänge darstellt. Es geht ja oft bei mir um Übergänge oder um Übersetzung oder um das Aufweichen von Unterschieden. Und Wasser als das flüssige Element, spielt natürlich da auch eine Rolle. Wenn sich Dinge verflüssigen, dann lösen sie sich auf oder verwandeln sich.“ In 13 klug durchkomponierten Teilen – die ein raffiniertes Textgewebe darstellen – führen Spiegelungen und Blendungen zu Imaginationen, in denen sexuelles Begehren und Sehnsüchte thematisiert werden. Erzählt wird von der Flüchtigkeit tatsächlicher wie möglicher, aber auch erinnerter Begegnungen in fremder Landschaft. Die Protagonisten heißen René, Helen und Faye, Emily, Sara oder Leigh und sie bewegen sich – wie im Bild der Gezeiten – mal aufeinander zu, dann wieder voneinander weg. Ihre Namen erscheinen wie Strandgut aus einer vergangenen Zeit, und unterliegen, wie überhaupt alles in diesem Roman, der Wandlung….

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© Deutschlandfunk, Büchermarkt, 18.7.2016

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