Ligetis forsche Linke „Resonanzen“ von Johanna Summer
Von Reinhard Köchl. Die Pianistin Johanna Summer erzählt die Musik klassischer und moderner Komponisten weiter. Jeder Ton klingt wie ein Bekenntnis zur Freiheit des individuellen Ausdrucks.
Johanna Summer war schon 2020 „skandalös gut“. So charakterisierte der Autor und Musiker Malakoff Kowalski die Pianistin aus Plauen im Vogtland in einem Text aus der ZEIT über ihr Debütalbum Schumann Kaleidoskop. Ein Lob, in das auch namhafte Kollegen wie Igor Levit und Joachim Kühn einstimmten. Der neue Jazz musste bei Summer gar nicht mehr zwingend Jazz sein, im Idealfall konnte er wie ein Minenräumgerät zwischen verschiedenen Genres funktionieren und dort vielleicht sogar eine kleine – großes Wort – Revolution auslösen.
Das Unerwartete und wirklich Neue dabei ist, dass sich Summer mit ihrem intuitiven Marsch durch Tonarten und Taktstriche, beim Improvisieren also, nicht etwa auf die Blaupausen des Jazz, die Standards des Great American Songbook, verlässt, sondern die vermeintlich heiligen Kühe der Notenliteratur anpackt, die Werke der großen klassischen Komponisten. Prompt muss da der Name eines Kollegen fallen, der zuletzt nur noch improvisierend zu hören war und dies wie kein Zweiter beherrschte: Keith Jarrett. Ein ziemlich dicker Rucksack an Erwartungen also, der Summer zur Veröffentlichung von Schumann Kaleidoskop mit Mitte 20 aufgeladen wurde. Jetzt ist sie 28, möchte nach wie vor bloß Klavier spielen, soll aber bitteschön auch Gallionsfigur und am besten gleich Trendsetterin für den deutschen Jazz in den neuen Zwanzigerjahren sein. Daran kann man zerbrechen.
„Resonanzen“ von Johanna Summer ist bei ACT/Edel erschienen.
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