Lucrecia Dalts Album „A Danger To Ourselves“ – Prometheus und ein Puma
Ein Musiktipp von Stefan Michalzik (FR). Das schmale Gesicht ist hinter den Haaren verborgen, von dem Bild geht eine dramatische Stimmung aus. Der Titel stützt diesen Eindruck: „A Danger To Ourselves“ heißt das neue Album von Lucrecia Dalt. Die Gestaltung des Covers erinnert an die zu „No era sólida“ (2000), auch hier schon war das Gesicht hinter den Haaren kaum zu erkennen.
Vorbei, zumindest fürs Erste, die Zeit der Alter Egos und fantastischen Gestalten, hier geht es songwriterhaft um Gefühle. Die Sprache ist eine bildreiche. Zu Beginn, im wiederum spanischsprachigen „cosa rara “, einem Duett mit Sylvain um Liebe und Lust, Vertrauen und Verletzlichkeit, taucht Prometheus auf wie auch ein Puma. Der zunächst leichtgewichtige Song endet mit einem Autounfall. Sylvains Bariton-Sprechstimme raunt: „Wir sind in Ungnade gefallen/Eine Gefahr für uns selbst/Es sind keine Amphetamine, es ist etwas anderes“.
Enorm sind die Qualitäten der Klangavantgardistin als Songinterpretin. Ein Popalbum, doch werden die Songstrukturen immer wieder aufgebrochen – von der Avantgarde verabschiedet hat sich Dalt gewiss nicht.
© FR, Kunst, Kultur, 23.9.2025