Lucrecia Dalt und ihr Album „!Ay!“
Die Elektronik-Chanteuse verfremdet lateinamerikanische Easy-Listening-Musiken und singt darüber kryptische Texte, etwa zum Thema Dating-Apps und radiometrische Daten. Von Christian Schachinger.
Nehmen wir zum Beispiel das dritte Lied des neuen Albums !Ay! der in Berlin lebenden kolumbianischen Elektronikmusikerin Lucrecia Dalt: Atemporal schleicht sich als lebensmüder südamerikanischer Befruchtungswalzer daher. Der verstört schon allein musikalisch. Irgendwo tief im Dschungel von Kolumbien gehen jetzt alle nachtaktiv geilen Tiere endlich schlafen. Das Lustgebrüll hört endlich auf. Auch dem Dieselgenerator, der den Plattenspieler der lokalen Absturzhütte mit Strom versorgt, fehlt langsam der Saft. Die Tschecheranten hängen ohnehin schlaff in den Seilen.
der Standard, Kultur, 9.11.2022
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