Merkur: Musks Twitter: Was bisher geschah. Von Ekkehard Knörer
Sink In
»Welcome to Hell, Elon« überschrieb das Online-Magazin The Verge einen Artikel, nachdem Elon Musk am 28. Oktober 2022 Twitter dann tatsächlich gekauft hatte. Tags zuvor hatte er sich selbst zum »Chief Twit« ernannt und war mit einem Waschbecken in den Händen in die Firmenzentrale in San Francisco einmarschiert, nicht als Weltgeist zu Pferde, sondern als wandelndes Wortspiel und Möchtegern-Meme: »Let that sink in.« Donald Trump kommentierte noch am selben Tag auf seiner eigenen Social-Media-Plattform Truth Social: »I am very happy that Twitter is now in sane hands, and will no longer be run by Radical Left Lunatics and Maniacs that truly hate our country.« Ein paar Wochen später war sein nach dem Putschversuch vom 6. Januar 2020 gesperrter Account per von Musk spontan angesetzter Umfrage auf Twitter reaktiviert. 1
Als Musk im April 2022 – natürlich auf Twitter – verkündete, er wolle das Unternehmen kaufen und damit vom Aktienmarkt nehmen, hielt mancher das noch für einer bloßen Laune entsprungen. Plausibel ist es, den Kauf als (Über)Reaktion auf die immer konsequentere Moderations- und Suspendierungspolitik von Twitter zu sehen. So hatte sich Musk auf Twitter über die Suspendierung des christlich-konservativen Satire-Accounts Babylon Bee wegen eines transfeindlichen Witzes enorm echauffiert. Yoel Roth, der langjährige Zuständige für Trust and Safety bei Twitter, sieht den Vorfall als wichtigen Anlass. 2 Das passt ins Bild, da sich das Drama um Twitter schnell als Teil des Kulturkampfs der neuen Rechten erwies – Transphobie gehört zum Kernbestand der Anti-Woke-Ideologie. Dennoch hat Musk in der Folge zunehmend verzweifelt den Deal rückgängig zu machen versucht. Offenbar jedoch hatte er den Kaufvertrag ausgesprochen sorglos verhandelt. Als ihm klar wurde, dass seine Sache vor einem Schiedsgericht in Delaware recht aussichtslos war, trat er vom Rücktritt vom Kauf wieder zurück. 3
© Merkur, 2/20,23