Musiktipps

Musik von Ying Wang zwischen Liebesfrequenz und Gesellschaftskritik

Beim Berliner Ultraschall-Festival im Jänner 2023 war Ying Wang gleich mit zwei Kompositionen vertreten: dem Ensemblestück „Glissadulation“ (2014) und dem noch jungen „528 Hz“ für Orchester und Elektronik (2021/22), aufgeführt vom Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter der Leitung von Karen Kamensek beim Abschlusskonzert im Haus des rbb. Von Marie-Therese Rudolph.

Der Zugang der 1976 in Shanghai geborenen Komponistin zu ihren Werken ist zumeist sehr inhaltlich geprägt. Sie will mit ihrer Musik Botschaften senden, mal mehr, mal weniger explizit. In ihrer Oper „LORRY 39“ (2021), uraufgeführt am Musiktheater Freiburg, begibt sie sich auf die Suche „nach den verlorenen Stimmen der Geflüchteten“, deren Leichen in einem LKW 2019 in Essex entdeckt wurden. In ihrem Violinkonzert „Schmutz“ setzt sie sich mit Individuum und Gesellschaft auseinander, aber auch mit der Verantwortung, die die Menschen gegenüber der Umwelt tragen. Klimawandel, globale soziale Missstände, politische Verfolgung und das Verhältnis des Menschen zur Technologie sind Ying Wangs Themen, die uns alle in der heutigen Zeit betreffen.

Doch ihre Musik ist keineswegs dystopisch oder düster, so hat sie gerade in der Pandemie versucht, ihrem Publikum Hoffnung und gute Schwingungen mit auf den Weg zu geben. Über ihr Orchesterwerk „528 Hz“ sagt sie: „Nach gut einem Jahr Corona fand ich, dass wir 2021 wieder mehr Liebe brauchen, wieder Frühlingsgefühle, Lebenslust, mehr positive Energie. Ich wollte mit der Musik universelle Liebessignale an die Welt senden.“ Das setzt sie mit der titelgebenden (Liebes)Frequenz um, die zwischen den Tönen c2 und cis2 liegt. Ihr wird zugeschrieben, heilende Wirkungen zu haben, auch der beliebte Lennon-Song „Imagine“ wird mit dieser Frequenz in Verbindung gebracht und das Summen der Bienen.

In diesem „Zeit-Ton“-Porträt werden u.a. aktuelle Mitschnitte vom Ultraschall-Festival Berlin gesendet sowie ein ausführliches Gespräch mit der Komponistin, die derzeit zu den präsentesten und spannendsten ihrer Generation zählt.



© Ö1, Zeit-Ton, 24.4.2023

Komponist/Komponistin: Ying Wang (* 1976)
Titel: ROBOTICtack, for contralto, ensemble and live electronics (2017) (Ausschnitt)
Ausführende: Noa Frenkel (Alt)
Ausführende: Ensemble Experimental
Ausführende: SWR Experimental Studio
Länge: 06:22 min
Label: EBU

Komponist/Komponistin: Ying Wang (* 1976)
Gesamttitel: D3642
Titel: „Unermüdlich strömend, nahezu transparent“ für Orchester (2013) (Ausschnitt)
Orchester: ORF-Radiosymphonieorchester Wien
Leitung: Marin Alsop
Länge: 03:32 min
Label: Eigenverlag / LM

Komponist/Komponistin: Ying Wang
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Andreas Karl
Titel: Lorry 39 für Frauenstimme, Ensemble und Elektronik (2020/2022) (UA)
Ausführende: Ute Scheffer (Stimme)
Orchester: Philharmonische Orchester Freiburg
Ausführende: SWR Experimentalstudio
Leitung: Detlef Heusinger
Länge: 01:28 min
Label: Eigenverlag

Komponist/Komponistin: Ying Wang (* 1976)
Titel: Schmutz für Ensemble, Elektronik und 4 Megaphone (tape) (2019)
Ausführende: Sophie Schafleitner (Violine)
Ausführende: Klangforum Wien
Leitung: Julien Leroy
Länge: 10:26 min
Label: EBU

Komponist/Komponistin: Ying Wang (* 1976)
Titel: 528 HZ 8va für Orchester und Elektronik (2021/2022)
Orchester: Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Leitung: Karen Kamensek
Länge: 21:03 min
Label: EBU

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