Nachruf auf die Lyrikerin Elke Erb „Ich diene als Risiko“
Ein Nachruf von Carsten Otte. Die Schriftstellerin Elke Erb ist gestorben. Gegen die Verhältnisse in der DDR schrieb sie an. Ihr Einfluss auf die deutsche Lyrikszene war groß.
Der Lyrikerin eilte zuweilen der Ruf voraus, in ihren Sprachexperimenten unverständlich zu sein. Wer sich aber auf den wendigen und selbstreflexiven Stil einließ, stellte eine bemerkenswerte Klarheit in der Beobachtung fest. Bei Elke Erb ging es, im wahrsten Sinne des Wortes, zur Sache – zu der immer auch die autobiografische Erkundung gehörte.
Mochte das lyrische Ich auch von Kreuzweh geplagt sein, Erb nutzte die Selbstreferenz als Chance, wie sie etwa im Prosanachklapp zu einem Poem mit dem schön-skeptischen Titel „Gedichtverdacht“ ausführte: „Wenn ich Gedichte schreibe – vielleicht auch bei anderem, bin ich die Quelle, nichts weiter – und wie ich das Quellwasser liebe jetzt, wo ich das schreibe, es zwischen Gestein hervorkommen sehe, um sie herum…!!“