NMZ: Greifbar naher Mythos von der Erschaffung der Neuen Musik: Die Donaueschinger Musiktage in ihrem 100. Jahr

Warum bei einer Rekordzahl von 24 Konzerten mit 27 Uraufführungen gefühlt so viel Adagios wie nie bei den Donaueschinger Musiktagen 2021 erklangen, kann nur vermutet werden. Es liegt durchaus nahe, den Grund dafür bei den psychokompositorischen Auswirkungen der Pandemie zu suchen. Von Andreas Kolb.


Noch mehr Uraufführungen als je zuvor an nicht nur drei, sondern vier Tagen Festival belegen, dass der künstlerische Leiter Björn Gottstein in der letzten von ihm verantworteten Festivalausgabe keine Retrospektive des weltweit ältesten Uraufführungsfestivals im 100. Jahr seines Bestehens im Sinn hatte, sondern dem Markenkern der Donaueschinger Musiktage treu blieb, der aktuellen und neuesten Musik das nötige Podium zu bieten.


Höhepunkt der guten Unterhaltungskunst war das Projekt von Daniel Ott und Enrico Stolzenburg „DONAU / RAUSCHEN Transit & Echo“. Es zog die Bevölkerung an, wie sonst nur ein verkaufsoffener Sonntag. Auch die Politik bekannte sich zur Gegenwartsmusik: Donaueschingens OB Erik Pauly war begeistert vom Engagement der örtlichen und internationalen Blaskapellen, die auf Plätzen und Straßen, aus den Fenstern und von den Dächern der Stadt in der Art der Stadtpfeifer ganz Donaueschingen in eine mobile Klangskulptur verwandelten, der die Menschen folgten wie dem Rattenfänger von Hameln. Dem bewährten Neue-Musik-Konzertgänger es konnte nicht verborgen bleiben, dass Rattenfänger Daniel Ott beim Projekt „Donaurauschen“ auf ein Konzept zurückgegriffen hatte, das er im Rahmen von Sounding D des Netzwerks Neue Musik bereits im Sommer 2010 in Eisenach durchgeführt hatte.




© NMZ, 18.10.2021


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