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„Nocturnes“ Die schlaflosen Nächte der Schriftsteller

Von Uta Rüenauver. Nicht wenige Schriftsteller und Schriftstellerinnen sind nachts wach. Manche können nicht schlafen, weil es in ihnen weiterschreibt; andere wollen nicht schlafen, um zu schreiben. Im Dunkel ist das Schreiben anders. Wenn man denn schreiben kann.

Schlaf ist lebensnotwendig, sein Entzug eine Foltermethode. Die meisten, die die gesuchte Erquickung nicht finden, fechten den Kampf mit dem Plumeau wortlos und verzweifelt aus. Die Literaturgeschichte jedoch ist voll vom Leiden schlafloser Schriftsteller und ihrer rotäugigen Figuren.

Hermann Hesse wollte sich mit Schlaftabletten das Leben nehmen, um den durchwachten Nächten zu entkommen. Der Rumäne Emil Cioran behauptete, gar nicht mehr zu schlafen und die Nächte mit Spaziergängen auf Friedhöfen und dem Verfassen von „Syllogismen der Bitterkeit“ zu verbringen. In Ulrike Kolbs Roman „Die Schlaflosen“ fühlen sich die Übernächtigten als Versager. Denn sie sind nicht imstande, das Alltägliche und Notwendige zu leisten: die heilige Trias von – so nennt es ein Zyniker unter ihnen – „Schaffen, Scheißen, Schlafen“.


„Ich glaube, diese Schlaflosigkeit kommt nur daher, daß ich schreibe. Denn so wenig und so schlecht ich schreibe, ich werde doch durch diese kleinen Erschütterungen empfindlich, spüre besonders gegen Abend und noch mehr am Morgen das Wehen, die nahe Möglichkeit großer mich aufreißender Zustände, die mich zu allem fähig machen könnten und bekomme dann in dem allgemeinen Lärm, der in mir ist und dem zu befehlen ich keine Zeit habe, keine Ruhe.“

Franz Kafka


„Nocturnes“ Die schlaflosen Nächte der Schriftsteller
Von Uta Rüenauver
Es sprechen: Maria Hartmann, Cornelia Schönwald, Tonio Arango und Frank Arnold
Ton: Martin Eichberg
Regie: Klaus-Michael Klingsporn
Redaktion: Jörg Plath

Eine Produktion von Deutschlandfunk Kultur 2021.

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