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NZZ: „Björk nervt. Björk fasziniert“ Von Ueli Bernays

Die Sängerin und Produzentin aus Island hat ein neues Album herausgebracht. Auf „Fossora“ thematisiert sie existenzielle Konflikte und Ängste. Das klingt nicht immer angenehm.

Was für ein Wesen will Björk sein? Ein Engel? Oder eine Fee? Ein Alien oder eine Hexe? Schwer zu sagen. In ihren neusten Fantasy-Videoclips setzt sich die Isländerin jedenfalls bunt geschminkt in Szene und ist in eine vielschichtige, scheinbar vom Wind verblasene Garderobe gehüllt. Man weiss nicht recht, ob die gebauschten Stoffe, die gewundenen Krägen sowie der über Korsetts und Krinolinen wogende Satin nun der Inszenierung dienen oder dem Schutz der Künstlerin vor den Kameras, denen sie sich stellt, ohne sich zu zeigen. Wer ihr zuhört, spürt förmlich, wie sie nach Atem ringt, wie sie keucht oder japst und die Stimme plötzlich in die höchsten Register schnellt oder im schrillen Schrei missrät. Liegt es an der Kostümierung? Schnüren sich die Textilien zu eng um Brust und Hals?



Auf „Fossora“ gräbt sich Björk so immer tiefer in den Abgrund der Existenz, um schliesslich eine traurige Bilanz zu ziehen: „Into sorrowful soil our roots are dug.“ Wo soll Hoffnung herkommen, wenn das Leben im Elend wurzelt? Die Verzweiflung schafft sich Raum in „Trölla-Gabba“: In diesem kalten Horrorstück gibt Björk die Sprache auf, ihr gespenstisches Munkeln geht allmählich unter in finalem Höllenlärm.



© NZZ, Feuilleton, 4.10.2022


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