Performance, Poesie, Politik: Die süße Melodie der Feuerlöscher
Von Peter Brötzmann bis zu Kirke Karja: Impressionen vom Berliner Jazzfest 2022. Von Gregor Dotzauer.
Zuerst zum Aufsehen erregendsten Spektakel des Jazzfests Berlin: Wie hört sich eine Ouvertüre für 15 Handfeuerlöscher an? Sven-Åke Johansson, der schwedische Schlagzeuger, Sprach-, Bild- und Performancekünstler und in diesem Fall Komponist und Dirigent, hat sie schon 2003 an der Berliner Akademie der Künste uraufgeführt.
Wenn „MM schäumend“ nun an die Spree zurückkehrt, das einen Fokus auf das Lebenswerk des mittlerweile 79-Jährigen richtet, handelt es sich nicht um die Neuerfindung der Perkussion aus dem Geist der Brandschutzverordnung, sondern um die Reprise eines zeitgenössischen Klassikers.
Zwei einander diagonal gegenüberstehende Reihen von Profimusikern, in der Mitte das Pult des Meisters, der unter Einbeziehung langer Pausen das Signal zum Einsatz gibt. Man hört nicht nur, wie es in unterschiedlichen Konstellationen fünf Minuten lang zischt, braust und schließlich röchelt.
© Der Tagesspiegel, Kultur, 6.11.2022