Postrock-Band Seefeel „Kabelbrand im Maschinenraum“ von Christian Schachinger
Die CD-Box „Rupt + Flex 94 – 96“ fasst das Werk der bahnbrechenden britischen Formation zusammen. Nachdem mittlerweile auch Leute, die ihre Jugend in den (frühen) 1990er-Jahren verschwendeten, zu jener Lebensmitte gelangen, ab der hinten mehr los war, als vorn noch sein wird, gilt es heute schon wieder einen Schatz aus dieser Zeit zu heben: Die Best-Ager haben das Geld und den Willen für CD-Boxen mit Musik von früher. Da geht was!
Wie sehr Seefeel sich kurz darauf allerdings dem Sound und nicht dem Song verpflichtet fühlten, zeigt jetzt eine vierteilige Box, die ausführlichst – und mit diversen Gustostückerln angereichert – die besten Jahre der Formation dokumentiert.
Sarah Peacock hatte beim Umzug zu Warp zudem ihre Lyrikmappe verloren. Ihre schöne Kirchenliedstimme war nur noch selten und dann weit entfernt und wortlos zu erahnen. Der Bassist und der Schlagzeuger waren auch da. Ein gemütlicher Job. All das klingt in 45 Tracks auf Rupt + Flex 94 – 96 noch heute extrem frisch und zeitlos modern. Wer sich einen Eindruck verschaffen will: Nach den Stücken Rupt und Rupt (Cut Mix) sowie Vex und Ruby-Ha weiß man, was man hat. Zwischenzeitlich löste man sich dann ab 1996 auf, immer wieder mal spielt man noch heute Konzerte. Neues Material gibt es schon länger nicht. Große Band. Easy.
© Der Standard, Kultur, 29.5.2021