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Release Tipp: Andrew Cyrille, William Parker, Enrico Rava – 2 Blues for Cecil (TUM Records, 2021)

Ich musste lange warten, bis ich diesen Schatz in meinen Player schieben konnte und das lange warten wurde belohnt. Ein Fest für die Ohren, traumhafte Improvisationen, kurz: einfach großartig!

Ahti Lavonen – T-muotoinen sommittelu

„2 Blues For Cecil“ vereint drei Legenden der modernen improvisierten Musik. Schlagzeuger Andrew Cyrille (1939) spielte viele Jahre mit dem Pianisten Cecil Taylor und gilt als Legende unter den Freejazz-Schlagzeugern. Seit dem Solo-Debüt mit „What About“ auf BYG Actuel im Jahr 1971 hat er eine Reihe von Platten in seinem eigenen Namen gemacht. Und wir haben ihn mit Anthony Braxton, Carla Bley, John Carter, Walt Dickerson, David Murray und Horace Tapscott und eine Reihe anderer gehört. Der Bassist William Parker (1952) gehört seit langem zur Spitze der Bassisten und Komponisten im Freejazz, während der italienische Trompeter und Flügelhornist Enrico Rava (1939) seit langem der führende italienische Trompeter im freieren Jazz ist. © TUM Records


William Parker, Enrico Rava, Andrew Cyrille

Auf eine interessante Sache möchte ich Euch noch aufmerksam machen. Ich weiß nicht, wer die letzten beiden ECM Veröffentlichungen mit Andrew Cyrille gehört hatte. Ich war jedenfalls erschrocken, wie wenig von ihm zu hören war. Es war seltsam, so sehr zurückgenommen? Das erschien mir dann doch etwas zu viel.
Jan Granlie schreibt dazu: „Nach seinen beiden letzten ECM-Aufnahmen hatte ich wirklich begonnen, das Vertrauen in Cyrille zu verlieren.“
Aber nachdem ich Petter Eldh gehört habe, der vom Tiger am Bass zum Kätzchen mutiert, muss/kann es wohl an ECM liegen. Mag sein das ich übertreibe, aber es ist schon seltsam wie sich Musiker unter ECM „verwandeln“. Was auch immer dann für Formulierungen aus dem Hut gezaubert werden. Denn Andrew kann noch immer Schlagzeug spielen und WIE! Und da bin ich mit Jan Granlie einer Meinung.


„2 Blues For Cecil“ wurde am 1. und 2. Februar 2021 im Studio Ferber in Paris aufgenommen. Nachdem dieses Trio ein Konzert am 31.12. 2020 mit dem Titel „Hommage an Cecil Taylor“ im Rahmen des Sons d’hiver Festivals in Paris gab. Der Schwerpunkt liegt auf dem Improvisieren. Vier der zehn Tracks sind kollektive Improvisationen, darunter zwei Versionen von „Blues for Cecil“. Das Trio versucht nicht, Cecil Taylors Herangehensweise an das Musizieren nachzuahmen, sondern bewegt sich bereits vom ersten Ton weit entfernt von der Musik, die wir größtenteils mit Taylor verbinden. © TUM Records



Taylor zelebrierte den kreativen Impuls, indem er sich über alle Schranken hinwegsetzte, in einer Art, wie nur er es vermochte. Obwohl sie nicht annähernd so grenzenlos sind wie Taylor selbst – wer könnte das schon sein? – Cyrille, Parker und Rava bleiben diesem Ideal dennoch treu und lassen ihre eigenen Stimmen in die Musik einfließen und schaffen so eine ganz eigene Sphäre, die die Ihre ist.

Michael Toland

Eines vorweg und für alle, die sich diese CD bestellen wollen. Die einzigen die das Liefern konnten waren PrestoMusic in England. Bei JPC bekam ich nach Wochen die Mail, dass es gerade nicht lieferbar sei und ob ich noch warten wolle.


Ob komponierte oder improvisierte Musik. Alle Titel strahlen eine innere Ruhe und Konzentration aus, so herrlich unaufgeregt, dass es eine wahre Freude ist, Ihnen beim Spielen zuzuhören. Das Ganze wurde auch noch bestens mitgeschnitten und klingt unter der Leitung von Matthieu Lefévre einfach perfekt. Enrico Rava hat mich überrascht, ich habe ihn schon lang nicht mehr so ausdrucksstark und gefühlvoll spielen hören. William Parker am Bass ist das Fundament, er hält hier „die Fäden“ auf seine unnachahmliche Weise zusammen und Andrew …siehe oben. Wie sie im Geist von Cecil Taylor improvisieren, ihn in Gedanken wieder aufleben lassen, das hat einfach Klasse. Wie man einen guten alten Wein zusammen mit Freunden trinkt. Schluck für Schluck genießt und sich gemeinsam an alte Zeiten erinnert. „2 Blues For Cecil“ ist für mich das absolute Highlight des neuen Jahres, eines, an denen sich viele andere messen müssen.

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