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Release Tipp: The Necks – Disquiet / Northern Spy

Nach so viel gutem Free Jazz ist die Musik der Necks eine wahre Erholung und klingt stellenweise wie Ambient-Musik. Na ja, ich übertreibe ein wenig. „Disquiet” ist das 20. Studioalbum der Necks. Für viele Hörer sind sie Kult und ihre Konzerte sollen magisch sein. Ich hatte noch keine Gelegenheit, eines ihrer Konzerte zu besuchen. Stücke von 60 Minuten und länger sind heutzutage sehr ungewöhnlich und in der schnelllebigen Welt von TikTok besonders anachronistisch.

Ihre Musik ist stets eine Herausforderung. Einerseits liegt das an der Länge ihrer Stücke, die sich zudem sehr langsam und fast unmerklich entwickeln. Ihre frei improvisierte Musik hat etwas Meditatives, Hypnotisches. Ich lese auch immer wieder von einer gewissen spirituellen Stimmung, auf die man sich einlassen muss. The Necks sind so einzigartig wie ihr Sound und immer für eine Horizonterweiterung gut. Wer sich auf diese Reise durch ihre Musik begibt, kann wunderbare Momente erleben.

Auf „Disquiet“ entfalten The Necks ihren immersiven, sich ständig wandelnden Sound über drei CDs und mehr als drei Stunden labyrinthischer, geduldiger Intensität. Es ist ihre zwanzigste Studioaufnahme und markiert das 39. Jahr des Bestehens der Band.
Die vier sorgfältig aufgenommenen und ausgearbeiteten Stücke auf „Disquiet“ zeigen Tony Buck, Chris Abrahams und Lloyd Swanton, wie sie die Grenzen ihrer kollektiven Intuition ausloten und mit mikroskopischer Präzision hypnotische Strukturen aufbauen und wieder auflösen. Mit dabei ist das übliche Arsenal aus Klavier, Kontrabass und Schlagzeug sowie alle dazwischen liegenden, undefinierten Klänge und unklaren Quellen.

Die Musik von The Necks war schon immer von einem tiefen Gefühl der gemeinsamen Verantwortung geprägt – natürlich zwischen den Musikern, die sich voll und ganz der Improvisation verschrieben haben, aber auch zwischen dem Werk und seinem Publikum. Bei einer so offenen Musik gibt es vielfältige Möglichkeiten der Auswahl: worauf man sich konzentrieren möchte, ob man sich überhaupt konzentrieren möchte usw. Disquiet geht noch einen Schritt weiter: Es gibt keine vorgeschriebene Reihenfolge, in der man die Stücke anhören muss. Es gibt keine „Disc 1, Disc 2, Disc 3”. Die Musik selbst scheint die Zeit zu dehnen, und diese Präsentation stellt die Idee der Reihenfolge in Frage. Man könnte argumentieren, dass The Necks ebenso sehr eine Art der Entdeckung sind wie eine Band.

Was den Klang selbst betrifft, so bleiben die für The Necks charakteristische Zurückhaltung und texturale Tiefe erhalten, mit subtilen Tonverschiebungen, sich entwickelnden Motiven und brodelnden Phasen von scharfem und treibendem Klappern, Anklängen von gedämpfter Überraschung und unvergleichlicher Intentionalität – wie immer expansiv und fesselnd. ©Texte: Liner Notes

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