Release Tipp: The Source – .​.​. But Swinging Doesn’t Bend Them Down / Odin Records

Das Quartett „The Source“ gibt es seit 1993. Über so eine lange Zeit hält eine Gruppe nur eines zusammen und das ist die Freude am gemeinsamen Spielen. Mit dieser Veröffentlichung lassen sie uns an ihrem Spaß teilhaben. Und das ist ihnen ganz wunderbar gelungen.

v.l.n.r. Trygve Seim, Øyvind Brække, Mats Eilertsen, Per Oddvar Johansen

„The Source“ wurde 1993 von folgenden Musikern gegründet: Ingebrigt Håker Flaten (Bass), Per Oddvar Johansen, Trygve Seim und Øyvind Brække, die damals alle am Jazzkurs des Trondheimer Musikkonservatoriums studierten.

Das neue Album des Quartetts;“ … but swinging doesn`t bend them down“ wird im Oktober auf dem legendären Plattenlabel Odin veröffentlicht. Der Titel ist ein Auszug aus dem Gedicht „Birches“ des amerikanischen Dichters Robert Frost, ein Titel, der den Traum eines Kindes vom Klettern in den Baumwipfeln und vom Schwingen der Birkenzweige umschreibt.

Es könnte als eine Reflexion über den Konflikt zwischen dem freien Spiel in der Natur und den Grenzen des Erwachsenenlebens gelesen werden, die auf dem Boden warten… Aber vielleicht kann der Boden warten? Verbinden Sie einfach die pure Freude am Klettern auf den Bäumen mit dem vorsichtigen Gleichgewicht, das nötig ist, um nicht zu fallen und mit der Flexibilität der Natur eins zu werden. © Text: Odin Records


Am Anfang war unser Spielstil von abwechselnden kollektiven Bläsersoli geprägt, die von einem energiegeladenen Puls der Rhythmusgruppe verfolgt wurden. Die Band spielte anfangs kurze anekdotische Stücke, die vom Stil des frühen Ornette Coleman Quartetts beeinflusst waren, aber auch von anderen Giganten des Jazz der 60er Jahre, wie dem Miles Davis Quintett, David Murray, Albert Ayler, Charles Mingus, Thelonious Monk und den verschiedenen Quartettbesetzungen von Roswell Rudd mit den Saxofonisten John Tchicai oder Steve Lacy. Wir fügten auch ein wenig Steve Coleman-esque Funk und John Zorn-Kantigkeit in den Mix ein. 1994 erschien die erste Veröffentlichung der Band: „Olemann’s Kornett“ (Curling Legs Prod). Es folgt eine ausgedehnte Konzerttournee mit 40 Konzerten in ganz Skandinavien und Deutschland. Höhepunkte waren das Konzert bei den Leverkusener Jazztagen und später, im Sommer, der Auftritt beim Getxo Jazz Festival, bei dem wir auch einen zweiten Preis in einem Jazzband-Wettbewerb gewannen. 1995 haben wir unsere erste Weihnachtsplatte veröffentlicht: „The Source: of Christmas“ (Curling Legs Prod). Im Jahr 2000 wurde eine Live-Aufnahme vom Kongsberg Jazz Festival 1995 „The MotorSource Massacre“ veröffentlicht: auf Stickman Records von einem Treffen mit der norwegischen Prog-Rock-Band Motorpsycho
Dies war ein Höhepunkt in einem Jahr mit einer Reihe von performanceartigen und surrealistischen Konzerten im Zuge des wachsenden Rufs der Band für ihren Free Jazz-Ansatz zu dieser Zeit.

Unsere langjährige Zusammenarbeit mit verschiedenen Streichquartetten gipfelte 2002 in einer Aufnahme für ECM: „The Source and Different Cikadas“, an der das Cikada String Quartet zusammen mit Frode Haltli am Akkordeon, Christian Wallumrød am Klavier und Arve Henriksen an der Trompete beteiligt war. Die Live-Auftritte dieser Show wurden von der Trondheimer Künstlerin Silje Sagjæra unter dem Titel „Den Pluralistiske sitron“ wie eine Performance mit visuellen Effekten inszeniert, bei der kiloweise Zitronen an riesigen Metallstangen wie ein „akkustisches gelbes Licht“ angebracht wurden. Im September 2000 arbeiteten wir sogar mit Sagfjæra bei einem Konzert in einer Eishockeyhalle zusammen, als The Source mit dem Bassisten Ingebrigt Flaten und Arve Henriksen während eines Spiels der in ähnliche pastellfarbene Outfits gekleideten Mannschaften frei improvisierten! Ein etwas surreales „Eishockey-Ballett“!
In den Jahren 1996-1998 hatten wir eine Periode, in der Arve Henriksen als „Trompeten-Bassist“ auftrat, als der Band ein Bassist für bestimmte Buchungen im Club Jazid in Oslo fehlte! Im Mai 1998 machten wir auch eine Reise nach Russland, wo wir Paal Nilsen-Love am Schlagzeug und Tony Kluften am Bass als Ersatz für zwei Konzerte in Akademgorodok und beim Novosibirsk Int. Jazz Festival.

Mats Eilertsen ist seit 2004 eine feste Größe am Bass. Unsere erste reine Quartettaufnahme wurde 2006 bei ECM veröffentlicht: „The Source“. Dieser Veröffentlichung folgte eine 7 Konzerte umfassende Jazz-Club-Tournee in Skandinavien und Europa im Jahr 2007.

Die legendäre Tradition der Weihnachtskonzerte von The Source begann bereits 1995, als die Band abenteuerliche Arrangements von Weihnachtsliedern teils mit dem Quartett, teils für Gastsänger und eine gastierende Prime Time Big Band im Club Pigalle in Oslo zusammenstellte. Diese Weihnachtskonzerte wurden zu einem alljährlichen Ereignis Mitte Dezember.

Ab 2000 brachte die Band auch orientalische Musik in die Show. Zunächst engagierten wir den alghirischen Sänger Cheb Hocine aus Oslo, aber ab 2005 luden wir den Kairoer Musiker Fathy Salama und seine Gruppe Sharkiat ein. Zusammen mit der professionellen Blaskapelle Marinemusikken und Sängern wie Tora Augestad, Anne-Lise Berntsen, Lars Klevstrand, Julius Winger, Marvin Charles und Cheb Hocine wurde eine Live-Aufnahme für unser ultimatives Weihnachtsalbum gemacht: „The Source: of Christmas Live“ (veröffentlicht 2007 auf Grappa). Ab 2007 wurde auch die indische Band Shankara aus Drammen in diese extravaganten Shows einbezogen. Zu dieser Gruppe gehörten der Tabla-Spieler Jay Shankar, seine Schwester Rohini Sahajpal an der Sitar und ihr Vater Shrilal Sahajpal an der Geige. Auch die indische Sängerin Sunanda Sharma wurde aus Mumbai eingeflogen, um mitzumachen. Schließlich wurde auch der ägyptische Derwisch-Tänzer Raed AbdelGhany aus Paris eingeflogen, um seine spezielle Spinntanz-Doutine vorzuführen. In den Jahren 2005-2008 tourten diese Shows durch Norwegens größte Städte.

Ab 2007 kreierte die Band eine Sommerversion der Show; nun mit ausschließlich Sommerhits als Grundlage, aber mit ähnlicher Besetzung. Die Musik wurde in einer Studioaufnahme für das Grappa-Label mit dem Namen „The Source: of Summer“ im Jahr 2013 dokumentiert. Die Shows wurden alljährlich zur Sommerzeit in den Jahren 2007 -2011 in Trondheim, Lillehammer und im Nathional Theater oder Parkteatret (Oslo) aufgeführt. Seit 2012 wird die Band in Norwegen jedoch hauptsächlich mit der jährlichen Reihe von Weihnachtskonzerten in Verbindung gebracht, die in den letzten zehn Jahren nur im Cosmopolite in Oslo an zwei Abenden aufgeführt wurden. Parallel zu diesen Konzerten war The Source in den Jahren 2007-2016 auf mehreren europäischen Jazzfestivals zu hören, unter anderem in Irland, Schottland und auf Zypern. Im Jahr 2019 kam die Band für zwei Studioprojekte zusammen; das erste war für den Soundtrack der Filmdokumentation über den norwegischen Dichter Jan Erik Vold im Juni; „Sorry brødre, det ble meg“, produziert von Elsa Kvamme, aufgenommen bei NRK (Norwegian Broad Casting). Das Material war eine Kombination aus unseren neuen Liedern und neuen Stücken von Trygve Seim. Der Film kommt im Oktober 2019 in die Kinos.



In „…but swinging doesn’t bend them down“ spielt The Source ohne Gäste und ist erst das dritte Album des Quartetts in diesem Format nach dem Debüt „Olemanns Kornett“ (Curling Legs, 1994) und dem selbstbetitelten Album (ECM, 2006). Die beiden Studiotermine im Jahr 2019 wurden im Oktober für die Aufnahme dieses aktuellen Quartett-Albums gemacht; „but swinging doesn’t bring them down“. Diese Aufnahme wurde im Oktober 2020 im Hallibakken Lydstudio von Tor Magne Hallibakken abgemischt und erhielt im Mai 21 ihr endgültiges Mastering durch Hallibakken/Johansen. Das Coverdesign stammt von Nick Alexander, basierend auf den wunderschönen Fotos des Fotografen Knut Bry von Hallibakken.



Released October 8, 2021/ Europa: 29.4.2022

The Source is: Øyvind Brække – trombone, Trygve Seim – saxophones, Per Oddvar Johansen-drums, Mats Eilertsen – bass

Recorded in October, 2019.
Mixed in October 2020 at Hallibakken Lydstudio by Tor Magne Hallibakken Mastered by Hallibakken/Johansen in May -21.

Cover art is by Nick Alexander, based on photographer Knut Bry´s beautiful photos from Hallibakken.


Sie müssen sich und niemand anderem etwas beweisen, sie können es einfach. Hier wird auf eine entspannte Art und Weise musiziert, dass es eine wahre Freude ist, ihnen zuzuhören. Gerade heute, wo viele junge Jazzmusiker neue Formen erproben. Und das ist ein spannender Prozess, ist dieser fast klassische Jazz, eine absolute Wohltat. Die Melodien sprudeln aus den Bläsern nur so heraus und werden wunderbar unterstützt von Mats Eilertsen am Bass und Per Oddvar Johansen am Schlagzeug. Und ja, ich habe mich in das Interplay von Øyvind Brække an der Posaune und Trygve Seim am Saxofon etwas verliebt. Sie erinnern mich an Albert Mangelsdorff und Heinz Sauer und ich habe ihre legendären Aufnahmen wie Now Jazz Ramwong noch sehr gut im Ohr.

Die poetischen Titel fangen die Essenz von „The Source“ treffend ein. Es macht ihnen einfach Spaß, man hört das an den vielen kleinen Nuancen, die dieser Musik das gewisse Etwas verleihen. Diese gute Stunde Musik ist Seelennahrung und diese kann man immer gebrauchen.

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