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Siemens Musikpreis 2022 an Olga Neuwirth … 2 Beiträge …

Feministin, Avantgardistin, Gesellschaftskritikerin und Komponistin: Die Österreicherin Olga Neuwirth bekommt den Siemens Musikpreis. Endlich. Von Reinhard Brembeck.

Wer mit Kompositionen wie „Vampyrotheone“ oder „Lonicera caprifolium“ Karriere machen konnte und früh schon mit der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek zusammenarbeitend zusammenkam, an dem kann irgendwann auch der berühmte und wirkmächtige Siemens Musikpreis nicht mehr vorbeigehen, mit dem seit 1974 viele Männer ausgezeichnet wurden, aber nur drei Frauen, eine Geigerin, eine Bratschistin und eine Komponistin. Jetzt erhält auch die 1968 in Graz geborene Olga Neuwirth den Siemens Musikpreis, eine Feministin, Avantgardistin und Gesellschaftskritikerin, die gern auch mit ihrer Heimat hadert: „Ich lasse mich nicht wegjodeln.“ Was bei einer Künstlerin ja auch unvorstellbar ist, die ein fiktives Tiefseewesen wie Vampyrotheone derart kraftvoll, phantastisch, poetisch und voller Dunkelheiten und Aggression zum Klingen bringen kann.



© Süddeutsche Zeitung, Kultur, Klassik, 7.3.2022


https://youtu.be/2kGiq3-HeLk

Pionierin und Feministin

Der Ernst-von-Siemens-Musikpreis 2022 geht an die Komponistin Olga Neuwirth. Sie ist künstlerisch ebenso Vorreiterin wie bei der Emanzipation: „Das größte Problem ist das Durchhalten“, sagt sie über ihren Erfolg in der männerdominierten Musikwelt. Olga Neuwirth im Gespräch mit Mascha Drost.



Die Ernst-von-Siemens-Musikstiftung ehrt die österreichische Komponistin Olga Neuwirth für ihr Lebenswerk: Sie zeichnet damit „eine Künstlerin aus, die mit ihrer Musik radikal neue Wege einschlägt, die der zeitgenössischen Musik ein neues Gesicht verleiht, die sich aber auch einmischt, Stellung bezieht und sich nicht scheut, Missstände anzusprechen“, wie es in der Pressemitteilung heißt. Sie selbst würde sich allerdings nicht als radikale Künstlerin bezeichnen, sagt Neuwirth: Zum einen, weil sie sich nicht selbst Attribute zuweisen wolle – „das kann ich nicht leiden“, zum anderen sagt sie: „Radikal ist auch vielleicht etwas negativ gemeint, da bin ich mir nicht ganz sicher.“ Womöglich spricht da die Erfahrung langer emanzipatorischer Kämpfe: „Diese unangepasste Frau ist radikal, hat im Kontext mit einer Frau irgendwie auch einen negativen Touch“, sagt die 53-Jährige. Sie hoffe aber, dass es in der Begründung für die Auszeichnung doch positiv gemeint sei.



© Deutschlandfunk Kultur, Tonart, 8.3.2022

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