„Ständiger Begleiter“ Wie das Smartphone die Umwelt verstellt von Roberto Simanowski

Passanten, die ständig auf ihr Handy starren, sogenannte Smombies. Ärgerlich, aber warum eigentlich? Hofften wir auf ein Gespräch? Verstimmt uns, dass wir aus dem Weg gehen sollen?

Das Problem für Autor Simanowski ist nicht, dass diese Menschen ihr Umfeld ignorieren, sondern dass sie es dadurch zugleich verändern – und zwar für uns alle.

Roberto Simanowski beschreibt die Veränderung des öffentlichen Raums auf vielfacher Ebene. Das Smartphone verkörpert dabei die digitale Kolonialisierung nicht nur des Raumes, sondern auch des Subjekts, es ist das Trojanische Pferd einer bedrohlichen Zukunft. Die Veränderung des öffentlichen Raums findet statt durch die Brille der Apps auf dem Smartphone: Google Maps und Apple Maps, die den gleichen Ort unterschiedlich anzeigen, sowie OpenTable und booking.com, die nur die Restaurants und Hotels anzeigen, die bei ihnen mitmachen.Stadtsoziologisch gesehen ist die „Kultur der Stadt“ auf dem Weg zur „smart city“, einem absolut kontrollierten, regulierten Raum, als deren Vorbote der Autor die immer im Weg stehenden „Smombies“ sieht.



© Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 24.4.2022

2 Comments

  1. Sehr spannendes und kluges Feature. Ich gehöre zu jenen Dinosauriern, die kein Smartphone besitzen. Gerade in Corona-Zeiten komme ich oft an die Grenzen meiner Belastbarkeit – wie kann ich einen negativen Coronatest meinem Arbeitgber vorzeigen, wenn ich kein Smartphone habe? Ich fahre morgens mit dem Fahrrad zum Testzentrum, dann wieder nach Hause. Dort muss ich per Internet in mein Email-Fach schauen und warten, bis ich das Testergebnis bekomme. Erst dann kann ich zur Arbeit fahren. Per Smartphone könnte ich direkt nach dem Testen losfahren, ich würde das Ergebnis unterwegs bekommen, und dadurch Zeit sparen. So fahre ich aber mehr Rad, bekomme mehr Vogelgezwitscher mit, und freue mich auf ein wenig Sport morgens. Geht auch ohne.

    Übrigens: der Audio-Link oben haut nicht hin, hier isser:
    https://www.deutschlandfunk.de/passanten-die-auf-ihr-handy-starren-100.html

    Lucky
    1. Hi Lucky. Vor vielen Jahren hätte ich dir noch zugestimmt. Aber leider geht bei meinem Beruf, der vom täglichen Reagieren und Improvisieren lebt, ohne dem Handy fast nicht mehr.
      Auch die vielen Termine usw. Das Handy ist heute der verlängerte Arm meines Büros. Bei unseren Anforderungen ist es ohne nicht mehr zu machen. Dafür habe ich keinerlei Messenger auf meinem Handy und damit bin ich schon oldschool. Es funktioniert aber trotzdem 😉

      portfuzzle

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