Studio Neue Musik: Anfänge und Enden oder Samuel Beckett und Rune Glerup
Rune Glerup hat die sprichwörtliche Angst des Komponisten vor dem Streichquartett nie verspürt. Sein Opus 1 ist bereits ein Quartett, das bislang aber noch nicht aufgeführt wurde. Das zweite Quartett und ein Klarinettenquintett folgten einige Jahre später.
Die Anregungen zu seinem zweiten Streichquartett verdanke Rune Glerup, der 1981 in Dänemark geboren, u.a. bei Walter Zimmermann ausgebildet wurde, wie er sagt, „Spaziergängen im Park, der Lektüre von Nachrichten, dem Biertrinken in einer verrauchten Bar und einsamen Stunden, in denen ich mit dem Fahrrad durch die Berge fahre und daran scheitere, die Enden, Anfänge, Wiederholungen, Anfänge, Enden dieser Welt zu verstehen“. Noch wichtiger als alltägliche Freizeitaktivitäten aber waren für Glerup Texte von Samuel Beckett. Zitate daraus hat er sich als Titel für die sieben Sätze geborgt. Da heißt es gleich am Anfang „Perhaps thus the end“. Dass Anfang und Ende sich ähneln, dass sich im Satz „Now to press“ auch der Bogendruck auf die Saite erhöht oder das „fliehende Dunkel der Nacht“ eine Fuge mitbringt: Das sind vielleicht nur Äußerlichkeiten, aber sie helfen, sich im Stück zurechtzufinden. Rune Glerup vereinigt beides, lässt es einander abwechseln – vielleicht ist auch das ein innerer Monolog.
Rune Glerup
Still leaning toward this Machine (2015) Quintett für Klarinette, Streicher und Elektronik
Rune Glerup
String Quartet No. 2 (2017)
NN – Klarinette, Quatuor Diotima, Elektronik
© WDR 3, Studio Neue Musik, 27.2.2022