SZ: Nachruf Christóbal Halffter „Politischer Poet“ von Helmut Mauró.
Sein erstes Stück war ein Skandal, dennoch berief man ihn in Madrid zum Musikprofessor. Jetzt starb der Komponist und Dirigent Christóbal Halffter mit 91 Jahren im nordspanischen Städtchen Ponferrada.
Natürlich konnte er auch mal wild rudern und am Dirigentenpult für einen Moment gleichsam explodieren, aber meist wirkte er dort so ruhig und abgeklärt, so vorsichtig und bedächtig, als fürchte er um jede einzelne Note, die falsch oder gar nicht erklingen könnte. Dann erschien der Dirigent Christobal Halffter wie ein Magier, dann spürte man, dass hier einer nicht nur mit den Orchestermusikern mitfieberte, sondern zuallererst mit dem Werk. Selbst als praktisch agierender Musiker blieb er im Grunde seines Herzens Komponist, bedächtiger Tonsetzer, Klangerzähler.
Er liebte das Atmosphärische, aus dem sich das musikalisch Logische herausschälte wie aus einer reifen Frucht. In seinem Klavierkonzert kann man das deutlich erleben, aber auch in seiner großen Oper „Don Quichote“, uraufgeführt 2000 in Madrid, die mit einem zarten Lamento der Holzbläser und hohen Streicher beginnt, bevor sich das Spektrum der Instrumentfarben ganz auffächert zu einem gewaltigen Klangraum. Ganz so, als wolle Halffter nicht nur das Orchester als Ganzes dem Gesang entgegenstellen, sondern jede einzelne Instrumentengruppe.
© Süddeutsche Zeitung, Kultur, 26.5.2021