SZ „Weil die Menschen das brauchen“ Alabaster DePlume: Gold
17 Stunden Studiomaterial, immer neue Musiker, maximal einer durfte das Material kennen: Der grandios verrückte Alabaster DePlume hat ein neues Album – randvoll mit Liebe. Von Andrian Kreye.
Das Gespräch dauert schon eine Weile, als Alabaster DePlume seinen Redefluss bremst und sehr unvermittelt sagt: „Du hast eine wirklich wunderschöne Vibe.“ Was soll man nun bitte mit so einem Satz anfangen? Noch dazu kommt seine Stimme mit einem Säuseln daher, bei dem man nicht richtig einschätzen kann, ob der Mann sehr bedröhnt oder sehr beseelt ist. Was sich übrigens mit seinem Gesang deckt, mit seiner Art, Songs zu schreiben, Platten aufzunehmen, sein Saxofon zu spielen. Nachdem er aber gerade durch Amerika tourt und es in Chicago zu diesem Zeitpunkt noch Vormittag ist, nachdem er für solche Sprüche erst in Manchester und dann in London bekannt wurde und er daraus sogar ein paar Singles gemacht hat, soll es mal beim Beseelten bleiben.
Sagen wir es also so: Alabaster DePlume, der eigentlich Angus Fairbairn heißt, ist so etwas wie ein Zeitreisender. Irgendwo aus dem Sommer der Liebe ist er in dieser Weltuntergangsstimmung gelandet, um den Menschen seine Botschaften zu überbringen. Früher sagte er gerne „Be nice to people“. Sei nett zu Leuten. In letzter Zeit verabschiedet er alle und jede eher mit: „Don’t forget you’re precious.“ Vergiss nicht, wie kostbar du bist. Und : „Go forward in the courage of your love.“ Geh voran mit dem Mut deiner Liebe. Das ist auch der Untertitel seines neuen Albums „Gold“. Die Worte „Love“, „Courage“ und „Respect“ verwendet er eh in fast jedem zweiten Satz. „Weil die Menschen das brauchen“, sagt er und schaut in die Ferne. Dann schaut er wieder direkt in die Webcam und sagt, ohne einen Funken Ironie: „Oder vielleicht auch einfach, weil ich ein prätentiöser Arsch bin.“
© Süddeutsche Zeitung, Kultur, 4.4.2022