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„Tanz den Kommunismus“

Auszug aus dem Buch über Punkrock in der DDR. Nach intensiver Wühltätigkeit in der eigenen Vergangenheit und der vieler ehemaliger Aktivisten sowie nach Gesprächen mit Ex-Punks und Noch-Punks, aber auch mit Sympathisanten und Freischärlern zeichnet Henryk Gericke ein Kaleidoskop des Punkrocks in der DDR in den Jahren 1980 bis 1989.

Ein Auszug aus der Einleitung des Buchs »Tanz den Kommunismus. Punkrock DDR 1980 bis 1989« sowie des Porträts der Band Rosa Extra.


Wenn Henryk Gericke Geschichten zum Punk erzählt, dann kann man sicher sein, das ist Literatur im besten Sinne und keine langweiligen Bandgeschichten.
Christiane Falk / radio eins



Ob vor oder hinter dem Eisernen Vorhang; auf der Dekadenschwelle von den siebziger zu den achtziger Jahren öffnete sich eine Tür. Sie bot keinen Einlass, sondern den Ausstieg aus Gesellschaftsformen, die systemüberlappend vom Kalten Krieg gezeichnet waren. Ging man durch diese Tür, war einem keine leuchtende Zukunft verheißen, doch man war immerhin frei von Zukunftsangst. Das »No Future« der Punks war insofern kein Angstschrei, sondern eine Unabhängigkeitserklärung. Punk zu sein, bedeutete, frei zu sein, auf dem schmalen Grat zwischen Selbsterhaltungstrieb und kompletter Entgrenzung rannten die Punks Schranken ein und tobten über tradierte Demarkationslinien hinaus. Und selbst an Zeitgrenzen oder an geopolitischen Frontziehungen zwischen Atlantischem Bündnis und Warschauer Pakt machte Punkrock nicht halt.



Eine Jugendkultur, die einerseits perfekt in die DDR gepasst hat und gleichzeitig auch besonders ungeliebt war. Wie genau die illegale Punkszene damals aussah, darüber ist jetzt dieses Buch erschienen.
Massimo Maio / Kompressor – Deutschlandfunk Kultur



© Jungle World, 2.5.2024

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