Kate Tempest: Tanz den Vorhöllenlimbo
Die Rapperin Kate Tempest ist eine grandiose Bußpredigerin, die uns erhellt, ratlos macht und berauscht. „Let Them Eat Chaos“ ist das Album des Herbstes. Mindestens.
Eine Stimme aus dem Nichts: „Picture a vacuum“. Leichter gesagt als getan, stell dir einen luftleeren Raum vor, wie soll das gehen? Genauso gut könnte die Stimme sagen: Denk an nichts. Entleere deinen Geist. Vergiss alles, was du zu wissen glaubst, kratz die Erinnerungen von der Wachstafel deines Gedächtnisses, schalte dein Smartphone in den Flugmodus und hör mir gut zu. Eine Aufforderung zur Meditation, ein koan, über das ich erst mal ein paar Jahre gründlich nachdenken müsste. Einerseits.
Andererseits habe ich zum Meditieren gar keine Zeit, während ich noch über diese ersten drei Worte nachdenke, ist die Stimme schon viel weiter, hat das vacuum als Weltall identifiziert, unser Sonnensystem ins Visier genommen, ist herangezoomt wie die Kamera in dem Kurzfilm Powers of Ten (1977), an der Sonne vorbeigeflogen und auf der Erde gelandet, in einer Stadt, genauer gesagt in London, genauer gesagt in einer einzigen Straße, ich schätze mal im Ostteil der Stadt, vielleicht in Brockley, wo auch Kate Tempest aufgewachsen ist, a shitty part of town, wie sie einmal gesagt hat. Dort setzt die Stimme, die natürlich Tempest gehört, mich ab.
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