TAZ: Plattenladenbesitzerin über Lockdown „Nicht müde, wenn ich zu Bett gehe“

Die Hamburger Plattenladenbetreiberin Marga Glanz spricht über schlechte Umsätze zu Pandemiezeiten, fehlende soziale Treffpunkte und hohe Margen auf Vinyl. Mit Jan Paersch

taz: Marga Glanz, wie wichtig ist Ihr Hamburger Plattenladen Groove City in Krisenzeiten?

Marga Glanz: Wir brauchen Plattenläden dringender denn je! Als ich Groove City 2005 übernommen habe, dachte ich, dass ich mit meinen Kunden alt werden und irgendwann gemeinsam mit ihnen in Rente gehen würde. Aber: Inzwischen kommen viele junge Leute, die Vinyl für sich entdecken. Warum sie das tun, weiß ich nicht genau – sie sind ja nicht mit Tonträgern aufgewachsen. Aber es gibt trotz freier Verfügbarkeit von Musik im Netz ein Bedürfnis, sich an haptischen Dingen festzuhalten. Gerade auch jetzt. Eine Plattensammlung ist wie ein Tagebuch. Wenn ich meine alten Platten anschaue, weiß ich, wann ich sie gekauft habe und wie es mir damals ging.

Wie sehr trifft Sie als Plattenhändlerin nun die Coronapandemie?

Ich bin krisenerprobt. Groove City habe ich in der größten Krise der Musikindustrie übernommen, als HipHop-DJs, die vorher alles dreimal gekauft haben, auf einmal nichts mehr gekauft haben. Und es ging dennoch.



© TAZ, Kultur, Musik, 21.12.2020

Marga Glanz 62, gelernte Arzthelferin, wuchs in einem Dorf nahe dem niedersächsischen Hitzacker auf. In den achtziger Jahren zog sie nach Hamburg, wurde DJ und arbeitete im Plattenladen Zardoz. 2005 übernahm sie den Plattenladen Groove City und zog mit ihm ins Karolinenviertel. Heute ist es die beste Adresse für Jazz, HipHop, Funk, Soul, Reggae, Afro-Sounds und Musik aus aller Welt in Hamburg. Vor einigen Jahren wählte CNN Groove City unter die zehn besten Plattenläden der Welt. https://groovecityrecordstore.com/

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