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„The Heart is a Hungry Hunter“ Ein Nachruf auf Klaus Lemke von Simon Hauck (Filmdienst)

Mit dem Tod der Independentfilm-Ikone Klaus Lemke verliert das unabhängige Filmemachen hierzulande seine schillerndste Galionsfigur. In über 50 Jahren als Regisseur und ebenso vielen Arbeiten blieb der provokante und störrische Selbstdarsteller sich treu und hielt auch in seiner letzten produktiven Schaffensphase mit über 70 Jahren an seinem Guerilla-Style mit schnell und ohne Drehbuch gedrehten Filmen fest. Erinnerungen an den am 7. Juli mit 81 Jahren verstorbenen Regisseur.

Die Weltpremiere seines allerletzten Films Champagner für die Augen – Gift für den Rest konnte Klaus Lemke vor wenigen Tagen trotz sichtlicher Schmerzen selbst noch auf dem 39. Filmfest München zelebrieren. Selbstverständlich mit einem gewohnt kessem Auftritt wie mit einem selbst gebasteltem Papp-Plakat („Kunst kommt von Küssen!“) für den obligatorischen Foto-Call im Innenhof der City-Kinos. Einen Tag später kam der frühere „König von Schwabing“, der seit 30 Jahren keine Ärzte mehr besucht haben soll, überraschend in eine Münchner Klinik. Dort verstarb er am Donnerstag, den 7. Juli 2022, mit 81 Jahren an der Seite seiner letzten Lebensgefährtin Bobby, die er selbst über Jahre aus dem Medienrummel um seine Persona demonstrativ herausgehalten hatte. „Die Lücke, die der Teufel lässt“ (Alexander Kluge) wird in der deutschen Independentfilm-Szene unendlich groß sein.

Ich hatte den chronisch produktiven Filmemacher das erste Mal in den frühen 2010er-Jahren kennengelernt, als er wahlweise im Münchner Werkstattkino oder in Marlies Kirchners legendärer „Theatiner Filmkunst“ über seine Filme und zugleich auch immer über sich selbst sprach. Natürlich hatte er mich wie so viele meiner cinephilen Kollegen aus der deutschen Filmkritiker-Blase mehrfach zu exquisiten „Klaus-Lemke-Castings“ eingeladen, die jeweils mit im Feuereifer formulierten SMS-Manövern verbunden waren, wenn er nicht plötzlich nachts höchstselbst am Hörer war, um mich „für sein nächstes großes Ding“ zu gewinnen: „Du hast Potential, Alter! Ich meine dein Gesicht. Ich sag’s dir. Du musst bei mir unbedingt mitmachen!“



© Filmdienst, 11.07.2022

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