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NZZ: Tyshawn Sorey „Meine Kompositionen haben mit Lebenserfahrungen zu tun“

Tyshawn Sorey ist ein Universaltalent: Er spielt zahlreiche Instrumente und verbindet in seinen Werken Einflüsse aus vielen Teilen der Welt. Das Festival-Motto «Diversity» sieht der «artiste étoile» dieses Sommers trotzdem kritisch. Von Georg Rudiger.

Eine schlichte zweistimmige Figur am Klavier, die zur Dauerschleife wird. Dann setzt Tyshawn Sorey am Schlagzeug ein und belebt das übersichtliche musikalische Geschehen von «Template» mit kurzen Wirbeln, kleinen Akzenten und virtuosen Beckenschlägen mit nur einem Stick. Immer dichter wird sein Spiel, immer komplexer geraten die mal geschlagenen, mal gestreichelten Rhythmen. Wenige Sekunden reichen aus, um auf dem Youtube-Video staunend zu erkennen, welch exzellenter Jazzschlagzeuger hier am Werk ist. Ein Musiker, der grosse Bögen spannt und den Rhythmus nie ohne Klang denken kann.



Spätestens mit seinem Debütalbum «That/Not» aus dem Jahr 2007, auf dem «Template» in gleich vier verschiedenen Versionen zu hören ist, hat sich Tyshawn Sorey auch als Komponist einen Namen gemacht. Seine Bandbreite reicht von meditativen, zugänglichen Stücken («For George Lewis») bis zu sperrigen, experimentellen Klängen, von Kunstliedern bis zu Orchesterwerken. Seit 2022 erscheinen seine Kompositionen beim renommierten Verlag Edition Peters in New York. In diesem Sommer ist der aus Newark (New Jersey) stammende, 42 Jahre alte Musiker «artiste étoile» am Lucerne Festival.



© NZZ, Feuilleton, 9.7.2022

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