UKJazznews Musiktipp: George – Looking For Consonance / Out Of Your Head Records
Von Liam Noble. Es heißt oft, dass Menschen, die vorgeben, nach etwas zu suchen, gar nicht wirklich daran interessiert sind, es zu finden, sondern vielmehr an der Suche selbst. Musikalisch sind Konsonanz und Dissonanz gegensätzliche Begriffe, doch in der Literatur bezieht sich Konsonanz auch auf die Klänge, die Wörter miteinander gemeinsam haben, und vielleicht ist es genau das, wonach John Hollenbeck und seine Gruppe suchen – nicht in Worten, sondern im Leben.
Mit Coverversionen von zwei Stücken, eines geschrieben von den libanesischen Rhabani-Brüdern und eines von der argentinischen Musikerin Mercedes Sosa, hat die Musik einen offen politischen Charakter. Das Album selbst ist zu Ehren von George Floyd benannt, der 2020 von einem Polizisten ermordet wurde, und der Name „George“ taucht in vielen Titeln und Widmungen auf dem gesamten Album auf. Das Bedürfnis nach einer gewissen Übereinstimmung, nach einer gemeinsamen Basis, scheint mir das Thema dieses Albums zu sein.
Es ist jedoch verlockend, diesen Titel auch als musikalischen zu lesen. Während Hollenbecks Kompositionen voller rhythmischer Komplexität sind, bewegen sie sich am Rande von Four-to-the-Floor-Grooves (oft fühlt es sich wie viereinhalb an), und obwohl Noise- und Improvisationstexturen nie weit entfernt sind, gibt es Melodien und es gibt Akkorde. Das Ganze wird mit einer Mischung aus kompositorischer Virtuosität und großherziger Leichtigkeit zusammengefügt, wobei minimalistische Wiederholungsmuster auf fröhliche Klänge von Sägezahn-Synthesizern, stotternde Melodien und eine Aufmerksamkeit für die Tonhöhenorganisation treffen, die eher in weniger zugänglicher Musik auftaucht.
Ich habe hier kürzlich Bobby Prevites neues Album rezensiert, und obwohl sich die beiden Aufnahmen klanglich stark unterscheiden, hat die Rolle des Schlagzeugers/Komponisten etwas Einzigartiges an sich. Oft sind sie ebenso sehr Regisseur wie Autor, fähig, das Geschehen zu kommentieren und gleichzeitig das Ganze voranzutreiben. Hollenbeck hat hier eine großartig klingende Band, deren improvisatorische Integrität und Präzision im Gleichgewicht mit ständig wechselnden Stimmungen und Klangfarben stehen. Der Pop-Glanz ihres Sounds ist unwiderstehlich, doch er wird stets von strengen Intervallkonstruktionen untermauert, die dem Ganzen eine ganz besondere Kohärenz verleihen. Die Botschaft hier, sowohl musikalisch als auch politisch, ist ernst. Die Suche ist noch nicht vorbei: möge sie noch lange andauern. © Alle Texte: Liam Noble
© UK Jazznews, 3.6.2026