Essay: Last Frontier oder die Tiefsee als letzter Freiraum des Planeten Erde
Von Claus Leggewie (DLF). Wem gehört eigentlich die Tiefsee? Wer darf sie ausbeuten, wer muss sie schützen? Die globale Rohstoffgewinnung – von Kupferminen bis Offshore-Plattformen – hat die Tiefsee längst im Visier.
In einer noch nicht erschienenen Karikatur des New Yorker sieht man ein mit einer Tafel „Privat! Kein Durchgang!“ bezeichnetes Tiefseegrundstück. Der Besitzer unter der Taucherglocke bewacht es mit einer Harpune; er ähnelt Präsident Trump, der Trümmerlandschaften in Touristenparadiese verwandeln und Grönlandeis für den Abbau seltener Erden schmelzen kann. In der Tiefsee will er sich mit seinen Kumpanen nun den letzten Freiraum privat aneignen.
Das ist kein Witz. Der Vortrag behandelt die lange Geschichte der Rohstoffausbeutung, die Berge in Kupferminen und Regenwälder in Maisplantagen verwandelt, die Ozeane leergefischt und Strände mit Offshore-Plattformen verziert hat. Die Tiefsee ist das letzte Beispiel für einen niemand und allen gehörenden Freiraum, der bedroht ist und dessen nicht-menschliche Bewohner dringend geschützt werden müssen.
Claus Leggewie, Jahrgang 1950, ist Professor für Politikwissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Mitherausgeber der Blätter für deutsche und internationale Politik. Von 2007 bis 2017 war er Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen.
© Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 3.5.2026