„Urwörter der Moderne“ Ein Porträt des Büchner-Preisträgers Wolfgang Hilbig

Geboren wurde der Dichter Wolfgang Hilbig am 31. August 1941 in Meuselwitz in Thüringen. Er starb am 2. Juni 2007 in Berlin. Hilbig hat lange in Ostdeutschland als Betriebsheizer gearbeitet und gleichzeitig Gedichte geschrieben. Von Marie-Luise Bott.

„Er ist der Größte von uns allen! Nun schreibt das endlich! Nun lasst das mal mit der Dunkelheit und mit der sächsischen Kohle und mit dem Heizerphänomen“, so feierte der Dichter Uwe Kolbe 1994 Wolfgang Hilbig, den ehemaligen Industriearbeiter und Schriftsteller aus Meuselwitz in Thüringen, der 2002 den Büchnerpreis erhielt.

Tatsächlich zeichnete sich Wolfgang Hilbigs Werk von Anbeginn nicht allein durch Themen aus, die er auch aus seinen Erfahrungen in der Arbeitswelt der DDR bezog, sondern vor allem durch die kühne Modernität seines Schreibens. Er bot den Zerstörungen der Landschaft, der Kultur und eben auch der Menschen in der DDR Widerstand mit seiner alles dematerialisierenden Schönheit der Sprache, wie Ingo Schulze es formulierte. Ein Spitzelbericht der Staatssicherheit über eine Lesung des Autors in privatem Kreis 1983 charakterisierte seine Texte dagegen mit Begriffen wie „Pessimismus“ und „Orientierungslosigkeit“, sprach von „Angstzuständen“. So erschienen Hilbigs Bücher ab 1979 zunächst auch nur im Westen. Sich selbst hat der Autor nichts erspart: Er riskierte Selbstverleugnung und soziale Ausgrenzung, um schreiben zu können, durchlebte ständige Selbstzweifel und den immer angstbesetzten Kampf um menschliche Nähe. Das hatte sich auch mit seiner zeitweiligen Übersiedlung nach Westdeutschland 1985 und dem Fall der Mauer nicht grundlegend geändert. Wohlstandsgesellschaft, literarische Auszeichnungen, Mitgliedschaften in Akademien, zuletzt der Büchnerpreis – nichts hielt Wolfgang Hilbig ab von seinem ruhelos zweifelnden Aufbruch zu neuer Selbsterkundung.



„Urwörter der Moderne“ Ein Porträt des Büchner-Preisträgers Wolfgang Hilbig

Von Marie-Luise Bott
Redaktion: Imke Wallefeld
Produktion WDR 2002

© WDR 3, Kulturfeature, 29.8.2021

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