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„Woke, aber nicht um etwas zu ändern“ Untergräbt der achtsame Kapitalismus die Demokratie?

Von Ferdinand Meyen. Bunt, divers, klimafreundlich, vegan, fair trade, sexuell vielfältig: Für viele Konzerne gehört das zum Einmaleins der Unternehmenskommunikation. Regenbogenflaggen schmücken die Hauptquartiere der Finanz-Konzerne.

Wer keine nachhaltigen Produkte im Angebot hat, ist schnell weg vom Fenster. Auch die Arbeitskultur verändert sich. Firmen werben mit gewaltfreier Kommunikation, locken Bewerber mit Work-Life-Balance-Angeboten, manchmal sogar mit einer Vier-Tage-Woche. Konservative kritisieren solche Entwicklungen als „woke“, als überzogen überachtsam. Das bleibt nicht auf hasserfüllte Leitartikel beschränkt, es werden sogar Aktien-Fonds gegründet, die nur die Unternehmen aufnehmen, die sich explizit von „Wokeness“ abgrenzen. Gibt es also zwei Formen des Kapitalismus? Den traditionellen, rein gewinnorientierten einerseits und den gutherzigen, woken andererseits?

Doch vielleicht liegt das eigentliche Problem ganz woanders? Denn wie viel der vermeintlichen „Wokeness“ ist wirklich ernst gemeint und wie viel nur PR-Vereinnahmung? Gehen die Konzerne überhaupt dahin, wo es wehtut? Setzt man sich zum Beispiel wirklich für die Work-Life-Balance der Mitarbeitenden ein oder stehen die, deren Effizienz und Output nicht davon verbessert wird, am Ende sogar noch schneller vor der Tür als früher? Nutzen viele die vermeintliche „Wokeness“ nur als Vorwand, um dort wegzuschauen, wo es wirklich zählt? Was sich kurzfristig fortschrittlich anfühlen mag, könnte die Ziele progressiver Bewegungen auf lange Sicht aushöhlen; und so die Grundfesten unserer Demokratie untergraben.




© Bayern2, Nachtstudio, 14.3.2023

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