„Der einstige revolütionäre Gehalt“
Von Robin Becker (JungleWorld). Die Zeitschrift der Surrealisten, »La Révolution surréaliste«, liegt erstmals in deutscher Übersetzung vor. Zwischen 1924 und 1929 erschienen zwölf Ausgaben von »La Révolution surréaliste«, der Zeitschrift der Surrealisten.
Nun liegt unter dem Titel »Die Sürrealistische Revolution« zum ersten Mal eine komplette deutsche Übersetzung der Hefte vor und gibt Anlass, über die Kunstbewegung nachzudenken, die den Verstand ausschalten wollte und dem Traum die größte Bedeutung zuschrieb.
Die Gegenwart, wie sie sich vor 100 Jahren für den Surrealismus darstellte, steht in einer eigentümlichen Distanz zur heutigen Gegenwart des Spätkapitalismus. Die Faszination für das urbane Leben in der Metropole und die zufälligen Begegnungen in ihr, die die surrealistische Literatur bis ins Innerste beseelte, steht im Kontrast zur urbanen Realität der postindustriellen Stadt, in der Effizienz und Kontrolle das Spontane und Ungeplante, aus dem der Surrealismus seine literarische Kraft schöpfte, verdrängt haben.
© JungleWorld, Dschungel, 28.8.2025