„Albernes Scheitern“ Das neue Album »Musik« von Acht Eimer Hühnerherzen
Schlicht »Musik« haben Acht Eimer Hühnerherzen ihr drittes Album genannt. Darauf frönen sie, wie auch schon zuvor, der Montage alltäglicher Sprach- und Sinnsplitter. Von Robert Zwarg.
Als Apocalypse Vega, die Sängerin und Gitarristin von „Acht Eimer Hühnerherzen“, 2018 in einem Interview auf die für Vegetarier offenbar negativen Assoziationen des Bandnamens angesprochen wurde, gab sie eine vielsagende und für die Programmatik der Gruppe bezeichnende Antwort: Ein Name, »das ist doch Sprache, das ist Kunst. Für mich steht da nichts mit Fleischkonsum dahinter. Unsere Vorstellung ist eher ein bestimmtes Bild. Herzen von nicht fliegen könnenden Vögeln – und wie dramatisch das ist.« Es ist dieses Gespür für Bilder der Vergeblichkeit, verbunden mit einem außerordentlichen Sinn für Sprache als Medium und Material, die Acht Eimer Hühnerherzen zu einer Ausnahmeerscheinung machen.
Jetzt hat die Band ihr drittes Studioalbum veröffentlicht, 15 Songs in sportlichen 41 Minuten, die teils sehr schnell vergehen, teils eine ganz eigene Dauer entfalten. Es heißt schlicht »Musik« und knüpft schon mit seinem Titel – nach »Album« von 2020 und dem Erstling »s/t« von 2018 – an die für das Kreuzberger Trio charakteristische Selbstreferentialität und seinen Sinn für Understatement an, die man mittlerweile wohl schon als eine Tradition bezeichnen könnte. Dass die Bandmitglieder nur unter Phantasienamen auftreten – neben Apocalypse Vega besteht das Kombinat aus Herrn Bottrop (Bass) und Bene Diktator (Schlagzeug) – und nur virtuell Präsenz zeigen, ist Ausdruck des Willens zur Distanzierung der betont nicht internetaffinen Band. Ihre Instagram-Seite wird fast ausschließlich mit handbeschriebenen Polaroid-Fotos bestückt; dass das einzige Streaming-Konzert, das die Gruppe bisher gespielt hat, trotz »guten Zwecks« den Bandmitgliedern nicht behagte, war kaum zu übersehen.
© Jungle World, Dschungel, 17.3.2022