„Alle Saiten offen“ Wolfgang Sandner gratuliert zum Geburtstag von Jean-Luc Ponty

Er vereint Klassik und Jazz wie kaum ein anderer, spielt in Orchestern und in Clubs und schuf mit Frank Zappa eins der aberwitzigsten Violinkonzerte des zwanzigsten Jahrhunderts. Nun wird der Geiger Jean-Luc Ponty achtzig.


Vertragen sich Swing und avantgardistischer Jazz überhaupt? Durchaus, wenn zwei Meister zusammentreffen. So geschehen 1966 bei den Berliner Jazztagen, als man auf die Idee verfiel, Stéphane Grappelli mit Jean-Luc Ponty in einem Geigen-Duo zusammen auftreten zu lassen. Aber verträgt sich ein abenteuerlicher Jazz-Fiddler aus Europa mit einem frechen Rockgitarristen aus Amerika? Bestens, wenn der eine Jean-Luc Ponty und der andere Frank Zappa heißt. So geschehen etwa 1970 für Pontys Album „King Kong“ mit Zappas „Music for Electric Violin and Low Budget Orchestra“, einem der aberwitzigsten Violinkonzerte des zwanzigsten Jahrhunderts. Noch ein Versuch: Kann ein Musiker tagsüber im Orchestre des Concerts Lamoureux mit der Streichersektion Debussy spielen und nachts in Pariser Jazzclubs als Solist am Tenorsaxophon John Col­trane nacheifern? Nein, das geht auf Dauer allein physisch nicht.



Und so wurde aus dem angehenden klassischen Geigenvirtuosen Jean-Luc Ponty zwar kein Jazzsaxophonist, aber wenigstens ein virtuoser Jazzgeiger. Immerhin konnte er die zwei Seelen in seiner Brust so doch noch vereinigen und die Violine, das klassische Instrument seiner Wahl, in den Jazz, die aktuelle Musik seiner Wahl, überführen.



© FAZ, Feuilleton, 29.9.2022

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