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„Bevor alles weg ist“ Hörspiel von Martin Becker

Letzter Besuch im Elternhaus. Ein Mann macht Inventur. Im Haus seiner Kindheit. Er schreibt alles auf, was er sieht. Ganze Leben, vergessen als Krankenhausbericht im Regal. Er erzählt, was er gefunden hat. Und hat nur noch 55 Minuten Zeit.

Das Räumkommando und die Bulldozer stehen schon bereit. Sieht man sich das Haus seiner Kindheit genauer an, wird alles plötzlich fremd. Man geht durch die eigene Vergangenheit und findet lauter Unbekanntes. Das wirft Fragen auf: Was ist das für ein Psalm, der zerfleddert an der Wand hängt, und wer hat diesen Wikinger aus Filz gekauft? Natürlich gibt es Leute, die Auskunft geben können über die Fundstücke. Was meint ein Pfarrer zu dem komischen Bibelvers an der Wand? Und was wäre das gesamte Hausinventar nach Meinung eines Trödlers überhaupt noch wert? Ein Mosaik: Erinnerungen an die Exponate der Kindheit fügen sich mit sprachlichen Fundstücken der Gegenwart zusammen. Letztlich kreist alles um den einen Moment der Rührung: Das war mein Haus. Meine Familie. Meine Landschaft. Und Furcht ist der Antrieb zum Erzählen: davor, dass bald alles für immer weg ist.



Bevor alles weg ist
Spurensicherung im Haus der Kindheit
Von Martin Becker
Regie: Thomas Wolfertz
Mit: Arndt Schwering-Sohnrey, Horst Sachtleben, Angelica Domröse, Jürgen Schornagel, Michael Wittenborn, Hanna Seiffert, Mark Oliver Bögel, Markus Scheumann, Paul Faßnacht
Komposition: Ralf Haarmann
Ton und Technik: Benno Müller vom Hofe und Peter Hamacher
Produktion: WDR 2008

© Deutschlandfunk, Hörspiel, 11.5.2023

Martin Becker, 1982 in Plettenberg geboren, ist Regisseur und Autor. Zahlreiche Hörspiele für den WDR, darunter „Lost in Praha“ (2008; gemeinsam mit Jaroslav Rudiš), „Plattenbaucowboys“ (2011) und „Fuck you, mon amour“ (2016). Zu seinen Veröffentlichungen zählt der Roman „Marschmusik“ (2017) und der Essay „Warten auf Kafka“ (2019).

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