„Bloß keine gerade Linie“ Der finnische Musiker Vladislav Delay

Electronica aus Finnland – Vladislav Delay und sein Album „Rakka II“ sind genau die richtige Musik für kurze Mittsommernächte. Ach, die Romantik! Vorstellungen, die Menschen haben können, was romantisch ist und was nicht, mögen auseinandergehen, aber so weit? Von Beate Scheder

So weit, dass man das, was Vladislav Delay in diesem Frühjahr auf seinem Album „Rak­ka II“ veröffentlicht hat, als „ a romantic summer vision full of hope and optimism“ beschreiben würde?

Gleich der Auftakt „Rakkn“ beispielsweise: Da rauscht und rattert es vor sich hin, schnauft wie ein mechanisches Gerät, das aus dem Takt geraten ist, weil möglicherweise Sand oder anderes störendes Material ins Getriebe gekommen ist und dort nun herumknirscht. Erst gegen Ende wird die Musik sanfter, sirrt etwas versöhnlicher aus. Im nächsten, „Raa“ genannt, kommt ein hämmernder Rhythmus hinzu, unterbrochen von kürzeren melodischeren Abschnitten, zum Luftholen quasi, bevor das Brodeln wieder einsetzt.

Keine dritte jedoch. Mit „Rak­ka“ sei er nun durch. Auch für ihn selbst sei manches, was er als Vladislav Delay produziere, ziemlich extrem. Dazu braucht er einen Ausgleich, in Wirklichkeit sei er nämlich, egal was man von ihm glaube, „a pop person“. Diese wird vermutlich hörbarer auf seiner kommenden Veröffentlichung, „Fun is Not a Straight Line“. Das Album erscheint gegen Ende des Monats, nicht unter dem Namen Vladislav Delay. Das Alias der Pop-Person lautet Ripatti.

© TAZ, Kultur, Musik, 21.6.2021

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