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Crimemag: Laudatio auf Georg Seesßlen – von Prof. Dr. Moritz Baßler 

Unbedingt lesen. Dieser Text ist gespickt mit Auszügen aus vielen Büchern von Georg Seeßlen. Einfach herrlich, so etwas lesen zu können. @radiohoerer

Mit dem Lessing-Preis für Kritik 2024 feiern wir heute Georg Seeßlen, den großen Film- und Kulturkritiker, eine der prägenden Figuren des kulturellen Lebens der Bundesrepublik Deutschland. 

Mir ist bewusst, dass der Laudator bei so einer Gelegenheit tunlichst nicht zuerst über sich selbst reden sollte. Und doch möchte ich Sie zunächst einmal kurz wegführen aus dem Wolfenbüttel von 2024, aber auch weg aus München, wo der Jubilar 1948 geboren wurde, aufwuchs und später Malerei, dann Kunstgeschichte und Semiologie studierte, weg aus Kaufbeuren, wo er heute lebt. Bitte stellen Sie sich stattdessen Dithmarschen vor, einen Landstrich an der Westküste Schleswig-Holsteins, und zwar in den 1970er Jahren. Ein junger Mensch wächst dort auf dem Dorfe auf und interessiert sich nicht nur für die Hochkultur, die ihm in Elternhaus, Schule und Bücherwagen, in den Dia-Vorträgen der Volkshochschule, im Schulorchester oder in der Kirche angeboten wird. Nein, er findet auch diese ande- re, neue, mitunter leicht anrüchige Kultur sehr attraktiv, die ihm im Fernsehen (3 Programme!) oder bei gelegentlichen Kino-Vorführungen in der lokalen Gastwirtschaft begegnet (und natürlich in der Pop-Musik, die damals noch kaum im Radio lief). Das können Sie sich vielleicht vorstellen. Schwieriger schon: Es gibt noch kein Internet und keine Social Media. Wir leben, was den Zugang zu verlässlicher Information angeht, noch vollständig in der Gutenberg-Galaxie. Mit anderen Worten: Es müssen Bücher her! Ich besaß damals schon das Rock-Lexikon, die einbändige Ausgabe von 1975. Manche Artikel kannte ich auswendig. Dann kam das Konfirmationsgeld, von dem ich mir damals ein Kajak, einen Plattenspieler und einen großen Stapel Bücher leisten konnte. Dabei stieß ich auf ein weiteres ro-roro-Taschenbuch, das 1977 gerade frisch erschienen war, ein zweibändiges »Lexikon zur populären Kultur« namens Unterhaltung von Georg Seeßlen und Bernt Kling. 



© Crimemag, 3.7.2024

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