Der Beatwissenschaftler „In These Times“ von Makaya McCraven

Makaya McCraven, Schlagzeuger und Musiknerd, gräbt sich auf seinem neuen Album tief in die Geschichte des Jazz. Dabei fördert er auch mal New-Age-Kitsch zutage. Eine Rezension von Aida Baghernejad.

Ausgerechnet mit einer Hommage an einen großen, zeitlebens oft übersehenen Meister schaffte Makaya McCraven vor gut zwei Jahren seinen Durchbruch. Seine Vertonung von We’re New Here, dem finalen, unfertigen und doch legendären Album von Gil Scott-Heron, brachte McCraven das, was dem 2011 verstorbenen Musiker und Dichter zu Lebzeiten versagt blieb: einen ordentlichen Hype. McCravens warme, minimalistische, von Jazzimprovisation getragene Musik ließ die Worte des Poeten aus Chicago strahlen. Gut möglich, dass der sich ganz zu Hause gefühlt hätte zwischen McCravens Arrangements voller Verweise auf die Schwarze Musikgeschichte, auf Gospel und Spiritual Jazz, auf westafrikanische Percussionmusik – und immer wieder: Blues. Makaya McCraven steht tief im Gestern – und gleichermaßen im Heute, wie nun sein neues Album In These Times beweisen soll.



Seinem Aufstieg zum Jazzwunderkind war ein langes – im wahrsten Wortsinn – Präludium vorausgegangen. McCraven wurde 1983 als Kind zweier Musiker geboren, sein Vater ist der US-amerikanische Jazzschlagzeuger Stephen McCraven, seine Mutter die ungarische Folksängerin Ágnes Zsigmondi. Die künstlerische Community des Collegestädtchens Amherst in Massachusetts, in der er aufwuchs, bildete den Nährboden für seine spätere Karriere als Grenzgänger (oder vielmehr: Grenzenauflöser) des Jazz. Schon als kleines Kind spielte er in den Drumensembles seines Vaters mit und lernte von senegalesischen und Gnawa-Musikschaffenden, später begleitete er mit Freundinnen und Freunden die Folksongs seiner Mutter. Das Musikstudium an der Universität brach er aber trotzdem irgendwann ab: zu viele Auftritte, etwa mit seiner Jazz-HipHop-Band Cold Duck Complex, zu viele Gelegenheiten und Möglichkeiten.



© ZeitOnline, Kultur, Musik, 26.9.2022

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