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Essay: Algorithmen der wahren Empfindung – Von Menschen und Maschinen

Wir kommen unseren Maschinen immer näher, oder sie uns – emotional, körperlich, kulturell. Zwischen Haut und Interface, Gefühl und Pixel, Vorstellung und KI gilt es zu fragen: Was macht uns menschlich, wenn Technik uns längst berührt?

Entsteht da eine neue Zärtlichkeit? Maschinen, die wir streicheln, Smartphones, die wir wärmen, Roboter, die zurückblicken. Wir leben in einem digitalen Zeitalter, das nicht kalt, sondern berührbar geworden ist – ein hybrides Jetzt, in dem KI keine Bedrohung, sondern Spiegel ist – gefüttert mit menschlichem Ausdruck, bewohnt von unseren Ängsten, Wünschen und Widersprüchen. KI muss eben gerade nicht als Gefahr wahrgenommen werden, sondern erweist sich als kultureller Speicher, aus dem immer Neues entsteht. Gerade in der Kunst. 

Als Künstlerin verbindet Charlie Stein Technologie mit einem menschlichen Antlitz, humanoide Maschinen, High Heels tragende Roboter, schwarze Touchscreens – keine Zukunftsvision, sondern Spiegel einer Gegenwart, in der wir längst hybrid geworden sind.

In einer Situation, in der menschliche Kulturprodukte kaum mehr von maschinellen unterschieden werden können, wo wir bereit sind, uns von maschinellen tief berühren lassen, wird die Frage umso virulenter, was uns und unsere kulturellen Produkte eigentlich ausmacht? 

Charlie Stein ist Künstlerin. Ihre Arbeiten untersuchen dominante kulturelle Ästhetiken und hinterfragen Wahrnehmungsmuster in einer hochgradig digitalisierten und visuell überstimulierenden Welt. Stein studierte Bildende Kunst und Soziologie. Sie war Gastprofessorin für Malerei und Zeichnung an der HfBK Hamburg und lehrte auch am Pratt Institute in New York, der UdK Berlin und CalArts in Los Angeles. Ihre Arbeiten wurden international gezeigt, unter anderem bei der Manifesta-Biennale, in der Kristin Hjellegjerde Gallery in London, im Songjiang Art Museum in Shanghai, im Museum Villa Merkel in Esslingen und bei der Skulpturen-Triennale in Bingen. Charlie Stein lebt und arbeitet in Berlin.

© Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 13.7.2025

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