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Essay: Jahrhundert der Nerds oder Vom Eigenbrötler zur Weltherrschaft?

Von Roberto Simanowski (DLF). Einst war er das Gespött der Leute, heute greift er nach der Macht: Der Nerd. Der Sozialtypus des Digitalzeitalters. Ein Schrauber, Bastler, Einzelgänger. Und heute machtvoller Unternehmer wie Elon Musk, Mark Zuckerberg oder Peter Thiel.

In den letzten Jahren hat der Nerd sich an all denen, die ihn einst verspottet haben, gerächt, am allseits beliebten sportlichen Jock, den er mittlerweile im selbstoptimierten Fitnessstudio in seine Schranken weist, am Charmeur, dessen Fitnessstudio-Überredungskünste nutzlos geworden sind, seit Algorithmen menschliche Beziehungen ersetzen. Der Nerd überflügelt als Start-Up-Gründer den klassischen Unternehmer,  macht mit KI dem Künstler Konkurrenz und bastelt einen Avatar, der den Influencer von gestern so alt aussehen lässt wie einen Atari Computer von 1979.

Und jetzt greifen sie – wie Elon Musk oder Peter Thiel – nach politischer Macht mit libertären und transhumanistischen Heilsversprechen und dieser komischen Vorliebe für Science Fiction, für die sie einstmals ausgelacht worden sind. Gibt es Gründe, dass uns das Lachen heute im Halse stecken bleibt?

Roberto Simanowski, geboren 1963, lebt nach Professuren für Kultur- und Medienwissenschaft in den USA, der Schweiz und Hongkong als Publizist in Berlin und Rio de Janeiro. Zu Simanowskis Büchern gehören Data Love (2014/engl. 2018), Facebook-Gesellschaft (2016/engl. 2018) und Abfall. Das alternative ABC der neuen Medien (2017, engl. 2018). Sein Buch Todesalgorithmus. Das Dilemma der künstlichen Intelligenz erhielt den Tractatus-Preis für philosophische Essayistik 2020.

© Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 3.4.2026

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