„Feilen an den Sprachen des Jazz“ Moers Festival 2021 und Corona von York Schaefer

Teils live, teils im Stream: Das Jazzfestival Moers lotetete über Pfingsten die Vielfalt des freien Jazz und der improvisierten Musik aus.

„Diese schräg aussehenden Typen taten am Ende auch nichts anderes als sie selbst. Sie tranken Bier und aßen Pommes. Manchmal machten sie allerdings auch höllischen Lärm.“ Mit diesen Worten beschreibt der Free-Jazz-Pionier Peter Brötzmann den anfänglichen Argwohn der Bürger im niederrheinischen Moers, als dort 1972 das erste New Jazz Festival stattfand und Horden von jungen Leuten in das beschauliche Städtchen einfielen.

Der aus Wuppertal stammende Tenor-Berserker Brötzmann hatte zusammen mit dem Moerser Konzertveranstalter Burkhard Hennen die Idee, mit dem Festival dem in Deutschland gerade neu entstehenden Free Jazz eine größere Bühne zu geben. Der freie Jazz war es immerhin, der junge europäische Musiker dazu zwang, ihre erste eigene Jazzsprache zu entwickeln und sich aus dem Klammergriff ihrer amerikanischen Vorbilder zu lösen.

Das Abschlusskonzert bestritt mit dem Gitarristen Fred Frith in der Drei-Gitarren-Formation Back to Basics dann ein Urgestein des Festivals. Eine Musik zwischen Freiheit und loser Komposition und einer Portion höllischem Lärm, ganz im Geiste der fast 50-jährigen Festivalgeschichte.

© TAZ, Kultur, 25.5.2021

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