Filmtipp: „Köln 75“ als Hommage an den Idealismus ohne Keith Jarrett
Von Ljubiša Tošić. „Köln 75“ zeichnet das Porträt einer 18-Jährigen, die trotz Widrigkeiten ein legendär gewordenes Konzert mit Jazzgröße Keith Jarrett veranstaltet.
Er hat das Konzert nicht, wie so oft, wegen kleiner Störungen unterbrochen – Keith Jarrett wollte erst gar nicht beginnen. 9. Juni 2016, Wiener Musikverein: Jarrett betritt die Bühne des Goldenen Saals und droht, noch vor dem ersten Ton, wieder zu verschwinden, falls jener Souvenirfotograf, der es gewagt hatte, mitten im Begrüßungsapplaus blitzartig zu knipsen, nicht des Saals verwiesen würde.
Es folgt allseitige Schockstarre, der Fotograf verlässt schließlich den Saal. Jarrett kommt wieder, es folgt der erste Konzertteil, bei dem der Pianistenzorn reizvoll impulsive Momente hervorbringt. Als Jarrett nach der Pause wieder die Bühne betritt, gibt es allerdings Publikumsschelte: „Ihnen hat die Musik vielleicht gefallen, aber ich war nicht da“, klagte der US-Amerikaner.
© Der Standard, Kultur, Film, 14.3.2025