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„Kunst und Protest“ Clevere Strategie oder Störung der Ordnung? Von Paul Lohberger

Schmelzende Eisblöcke in London als Protest gegen den Klimawandel – solche Kunstaktionen zeigen, wie eng die Verbindung von Kunst und Protest derzeit ist. Doch Kunst und politischer Protest gehen schon lange zusammen – auch wenn das nicht allen gefällt.

Die Verbindung von politischem Protest und Kunst im heutigen Sinne beginnt im 20. Jahrhundert. Protestsongs erscheinen als wichtiges Medium, sie vermitteln ihre Botschaft innerhalb von ein paar Minuten. In anderen Kunstformen ist der Protest nicht so eindeutig. Als Provokation wirken sie trotzdem.

Der Wiener Heldenplatz ist ein weiter Freiraum mitten in der Stadt direkt neben der Hofburg, dem alten Machtzentrum und heute Sitz von Teilen der Staatsführung. Zwei gigantische Reiterstandbilder stehen sich hier gegenüber, eine Seite nimmt die Nationalbibliothek ein, Architektur von Barock bis 19. Jahrhundert. Ein Ort von hoher symbolischer und historischer Bedeutung, auch im Sinne der Kunst.

Im Jahr 1965 erschien auf diesem Platz eine seltsame Figur. Der Auftritt geschah ganz plötzlich, erinnert sich Marie-Therese Hochwartner, Kunsthistorikerin vom Wiener Museum für Moderne Kunst

„An dieser Stelle ist Günter Brus am 5. Juli 1965 um circa 11 Uhr aus dem Auto gestiegen. Er wurde hierher geführt, mit einer sogenannten Ente, von John Sailer. Und wir wissen, dass er sich bei der Fahrt hierher bei jeder roten Ampel geduckt hat, damit das lebende Kunstwerk nicht vorab schon entdeckt wird, und diese Aktion quasi schon vorab einen Abbruch erfährt.“

„Also, er ist ausgestiegen, gekleidet eigentlich ganz normal mit einem Anzug, sehr charmant. Aber dieser Anzug war dick bestrichen mit pastoser Malfarbe, und zwar ganz in Weiß. Und zusätzlich zu dieser weißen Farbe hat er einen schwarzen Strich. Und dieser Strich fängt an seiner rechten Schuhspitze an, zieht sich nach oben mittig durch seinen Körper, zieht sich über das Gesicht, mittig über den Kopf und den Hinterkopf und endet dann links unten an seiner Ferse, an seinem Schuhabsatz.“




© Deutschlandfunk, Essay und Diskurz, 30.6.2022

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