Meilensteine der Moderne (29): Iannis Xenakis „Eonta“

„Millionen von Tönen“ prasseln hier auf die Hörenden nieder: Wolken und Wellen, Mengen und Massen. Eonta von Iannis Xenakis ist eines der größten Hör-Abenteuer des griechischen Klangarchitekten. Mit Michael Struck-Schloen.

Ein Miniatur-Klavierkonzert, bei dem freilich nur die Besetzung klein ist. Maximal sind dagegen die spieltechnischen Ansprüche, die alles Dagewesene in den Schatten stellen. Eine Explosion der Energie.

Eonta („Seiendes““): Der Titel ist eine Schrift kreto-zypriotischen Ursprungs, die seit 2500 Jahren verschollen war und erst um 1960 entziffert wurde. Der Begriff bezieht sich „in der ionischen Philosophie bezieht sich“, so der Xenakis-Lehrer und Mentor Olivier Messiaen, „auf das Faktum der Existenz selbst“.

Xenakis beruft sich bei dem Stück, das 1963-64 in Berlin entstand, „auf die stochastische Musik und auf die symbolische (logisch-mengentheoretische) Musik“. Bestimmte Passagen, namentlich das Klaviersolo zu Beginn, wurden mithilfe des Elektronengehirns IBM 7090 in Paris errechnet.

Eonta ist ein physisch extrem anspruchsvolles Werk, das für die Interpreten riesige Herausforderungen darstellt. Bei der Uraufführung – im Dezember 1964 mit dem japanischen Pianisten Yuji Takahashi in einem Konzert des Pariser Domaine Musical – dirigierte Pierre Boulez das Werk mit der doppelten Anzahl an Blechbläsern. Zehn anstelle von fünf, die sich abwechselten, um die technischen Schwierigkeiten bestimmter Passagen zu bewältigen.



Iannis Xenakis:
Eonta für Klavier und 5 Blechbläser

© WDR 3, Studio Neue Musik, 29.5.2022

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