„Musikalische Poesie arabischer Frauen“ Fatima Al Qadiri: „Medieval Femme“ Juliane Reil im Gespräch mit Martin Böttcher
Für „Medieval Femme“ ließ sich die kuwaitische Musikerin Fatima Al Qadiri von klassischen Gedichten arabischer Frauen inspirieren. Das vielschichtige Album sei die Beschreibung eines psychologischen Zustands, sagt die Musikjournalistin Juliane Reil.
Die kuwaitische Produzentin Fatima Al Qadiri gehört zu den innovativsten Musikerinnen der elektronischen Musikszene. Daher ist der Albumtitel „Medieval Femme“ – also „Frau des Mittelalters“ – schon ungewöhnlich, meint die Musikjournalistin Juliane Reil.
Verlangen und Depression
Al Qadiri ließ sich von einer Gedichtsammlung zu diesem Album inspirieren. In dieser Sammlung waren Gedichte arabischer Dichterinnen aus fünf Jahrhunderten, weibliche Stimmen des Mittelalters vom 7. bis ins 13. Jahrhundert.
Als Al Qadiri darin las, gewann sie den Eindruck, dass Verlangen und Depression dicht beieinanderliegen. Eine Depression sei eine Art Sehnsucht, die Besitz vom Körper ergreife. Zu diesem Gefühl habe sie ein Album machen wollte, erzählte die Musikerin der Journalistin.
„Ich bin beeindruckt von diesem Album, weil es ein Psychogramm erstellt, einen Seelenzustand beschreibt“, sagt Juliane Reil. Dabei sei das Bemerkenswerte, dass sich dieses Psychogramm auch – aber nicht nur – als Beschreibung der Pandemie lesen ließe. „Depression und Sehnsucht werden als urmenschliche, zeitlose Gefühle beschrieben, die aber immer in einem zeitgebundenen Kontext auftauchen, ob das das Mittelalter oder die Neuzeit ist.“
Al Qadiri habe ein starkes Album geschaffen, das durchdacht aber nicht konstruiert wirkt. „Medieval Femme“ überzeuge musikalisch auch ohne das Wissen um den gedanklichen Überbau, so Reil.
© Deutschlandfunk Kultur, Tonart, 12.5.2021