Musikfest Berlin 2021 „Wut und magische Melancholie“ Die Rückkehr des Gesangs – Werke von Händel, Bach und Gesualdo
Beim Verlassen dieser zwei Konzerte mit alter Musik fällt auf: Wie wunderbar, wieder Gesang zu erleben! Wie glücklich, hervorragende Solist:innen und Chöre zu hören! Wie sehr wir das Singen in der Coron-Ära vermisst haben! Von Berthold Seliger.
Doch es ist nicht nur die Pandemie, die dem Gesang zusetzt – auch beim Umbau öffentlich-rechtlicher Klassikkanäle soll er, wie Habakuk Traber im Journal des Musikfests mit einigem Recht konstatiert, »aus dem alltäglichen Programmleben in Reservate spezieller Sendeplätze verbannt werden«. Die neue Ideologie von der »Durchhörbarkeit« des Radioprogramms, der die Hörfunk-Entscheider anhängen, opfert anspruchsvollen Gesang auf dem Altar von Unterhaltung und Frohsinn. Insofern können diese beiden hervorragenden Chorkonzerte des Musikfests auch als ein entschiedenes Statement für anspruchsvolle Musik und gegen banale Wohlfühl-Klangtapeten gehört werden.
© ND, Kultur, 13.9.2021