Radiotipps für den 29.8.2026
Die Radiotipps in der Übersicht für alle Kultursender des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks, ByteFM sowie des Ö1.
00:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Lange Nacht
„Selbst wenn wir dafür mit dem Leben bezahlen.“ Die Lange Nacht der Polarforschung
Von Günther Wessel Regie: Friederike Wigger
Nordpol und Südpol, Arktis und Antarktis waren lange Zeit Ziele hoffnungsvoller und verzweifelter Expeditionen. Ruhm und die Sehnsucht nach Heldentum lockten, bezahlt wurde mit Hunger und Entbehrungen, oft in monatelanger Dunkelheit, mit abgefrorenen Zehen, vielfach auch mit dem Leben. Der Nordpol wurde angeblich 1909 erstmals erreicht – wahrscheinlich nicht –, der Südpol sicher 1911. Die Lange Nacht erzählt die Geschichte der Polarforschung – von den ersten Expeditionen der frühen Neuzeit bis zu den modernen Forschungsmissionen. Sie erzählt von absurden Vorstellungen wie einem eisfreien warmen Meer am Nordpol, vom Glauben an die eigene überlegene Zivilisation, weshalb Expeditionen mit gut gefülltem Weinkeller, aber ohne Kenntnisse des Schlittenfahrens loszogen, von Entbehrungen und Dunkelheit in endlosen Polarnächten, von gefälschten Expeditionsberichten, von früher Gletscher- und Klimaforschung und der ersten Überwinterung eines Frauenteams in der Antarktis 1990 und heutigen Expeditionen, die versuchen, unser Erdsystem mithilfe von Glaziologie, Ozeanografie, Biologie und Atmosphärenforschung besser zu verstehen. Und nicht zuletzt vom Zauber des ewigen Eises – warum kehrten viele Polarforscher, die im ewigen Eis knapp dem Tode entronnen waren und denen Nase, Zehen und Hände erfroren, wieder zurück in das endlose Weiß?
05:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Aus den Archiven
Can – Die Geschichte einer Gruppe – Teil 4: Kannibalismus
Von Gabriele Meierding RIAS Berlin 1986
Vorgestellt von Ralf Bei der Kellen
Zur Zeit ihrer Existenz 1968 bis 1978 war die Kölner Band Can ein klassisches Beispiel für den Propheten, der im eigenen Land nichts gilt. Als Can 2003 den Echo für ihr Lebenswerk bekamen und die Red Hot Chili Peppers darauf bestanden, ihn zu überreichen, dämmerte es auch dem Letzten, dass Can zu den wichtigsten Bands der Rockgeschichte gehören. 1986, kurz vor Beginn der Aufnahmen ihres Reunion-Albums, führte Gabriele Meierding ausführliche Interviews mit allen Mitgliedern der Gruppe. Diese verwob sie für den RIAS zu einer achtteiligen Serie, in der die Musiker die Geschichte ihrer gemeinsamen und individuellen Reise erzählen.
14:00 Uhr Ö1 Hörspiel
„Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus
Es war die größte Hörspielproduktion in der Geschichte des Österreichischen Rundfunks: die Gesamtaufnahme von „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus im Jahr 1974.
Theatergänger dieser Welt, so schrieb Karl Kraus, vermöchten dem Stück nicht standzuhalten. Denn das Blut der „Letzten Tage“ sei „Blut von ihrem Blute“. Deshalb – und nicht wegen der Länge, die mit ca. zehn Abenden auch außergewöhnlich wäre – hat Karl Kraus sein Stück für unspielbar erklärt und einem „Marstheater“ zugedacht.
14:00 Uhr HR 2 Archivschätze
Heimat im Exil – Erika Mann und Theodor W. Adorno im Gespräch
Was bedeutet Heimat im Exil? In der Sendung Abendstudio des Hessischen Rundfunks treffen sich im Jahr 1958 zwei herausragende Stimmen des intellektuellen Exils zum Gespräch: Erika Mann, Schriftstellerin, Journalistin und Kriegsreporterin für die BBC und Theodor W. Adorno, Philosoph, Soziologe und Mitbegründer der Kritischen Theorie. Erika Mann emigrierte 1938 mit ihrer Familie in die USA. Später berichtete sie über die Nürnberger Prozesse und kehrte in den 1950er Jahren nach Europa zurück. Theodor W. Adorno floh 1934 vor dem Nationalsozialismus, arbeitete am New Yorker Institut für Sozialforschung und lebte später in Kalifornien.
17:04 Uhr SWR Kultur Gespräch
Frauke Brosius-Gersdorf, Verfassungsrechtlerin im Gespräch mit Doris Maull
„Diese Politisierung der Richterwahl darf sich nicht wiederholen“, fordert die Professorin für Öffentliches Recht, Frauke Brosius-Gersdorf. Eine aggressive, antifeministische Verleumdungskampagne hatte ihre Wahl zur Bundesverfassungsrichterin vor einem Jahr vereitelt. In ihrem aktuellen Buch „Wahl und Wahrheit“ verarbeitet sie die Ereignisse und ruft dazu auf, aus dem Geschehenen zu lernen. Nur so lasse sich verhindern, dass die rechtsstaatliche Demokratie schweren Schaden nehme.
17:05 Uhr Ö1 Über Musik
Alexander Kluge und Nikolaus Harnoncourt
Was kann Musik, was die Literatur nicht kann? Warum vermag sie uns so unmittelbar zu treffen – zu trösten, zu erschüttern manchmal sogar gegen unseren Willen?
In der vierten Ausgabe unser Sommer-Spezialreihe „Über Musik“ bringen wir den Mitschnitt eines im Jahr 2006 entstandenen Gesprächs des Schriftstellers, Filmemachers und Fernsehproduzenten Alexander Kluge mit dem Musiker und Dirigenten Nikolaus Harnoncourt. Das Gespräch fand im Rahmen der von Alexander Kluge für die Salzburger Festspiele initiierten Veranstaltungsreihe „Magazin des Glücks“ statt und war die erste persönliche Begegnung der beiden.
18:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Feature
Feldstudie: Landwirtschaft „Vier Leben zwischen Tradition und Agribusiness“
Von Swantje Reuter Regie: Giuseppe Maio
Mit: Swantje Reuter Ton: Jan Fraune
Deutschlandfunk 2026
Wer in der Landwirtschaft arbeitet, muss nicht nur den Acker vor der Haustür bestellen, sondern auch einen globalisierten Markt auf dem Schirm haben. Vier ganz unterschiedliche Geschichten zeigen neue Wege zwischen Strukturwandel, Familientraditionen und Wachstumsdruck.
18:20 Uhr SWR Kultur Jazz
Me and My Music – Andreas Schaerer. Von Fanny Opitz
Jazz-Gesang, Beatboxen, Sprechkunst und zwischendurch ein herzhafter Jodler: Das ist die Welt des Sängers Andreas Schaerer. Der Schweizer Vokalartist singt vornehmlich in erfundenen Sprachen und stellt sich damit in die Tradition der Avantgardebewegung Dadaismus, die Anfang des 20. Jahrhunderts von Zürich aus die Welt eroberte. Als innovativer Bandleader erforscht er die Schnittstellen zwischen Sprache, Klang, Rhythmus und Melodie. In Me and My Music erklärt er, warum er sein Instrument als dreidimensionale Figur versteht.
Wiederholung vom 19. Juli 2025
19:00 Uhr HR 2 Live Jazz
hr-Jazzensemble (1/2)
Das hr-Jazzensemble gehört zu den traditionsreichsten Formationen im deutschen Jazz: 1958, beim 6. Deutschen Jazzfestival in Frankfurt am Main, ernennt hr-Intendant Eberhard Beckmann die “German Allstars“ um Albert Mangelsdorff offiziell zum “Jazzensemble des Hessischen Rundfunks“.
19:03 Uhr WDR 3 Hörspiel
Sie & Er (1/2) Von George Sand
„Sie & Er“ schildert die ebenso leidenschaftliche wie selbstzerstörerische Liebesbeziehung eines Künstlerpaares: Thérèse Jacques genießt als Malerin hohes Ansehen in der Pariser Gesellschaft. Laurent de Fauvel, ein noch unbekannter Künstler, wird von ihr protegiert. Doch er ist ein unberechenbarer Dandy…
19:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Konzert
„Pop-Kultur Festival“ Live und in Aufzeichnung aus dem Kesselhaus der Kulturbrauerei, Berlin
Konzerte von Jassin, Sophia Kennedy und PVA
19:05 Uhr Bayern 2 Zündfunk
„Elektro ohne Grenzen“ Diese Songs sind Rassismus-Gegengift
Mit Ferdinand Meyen
Hat die Tanzfläche das Zeug zu einer kleinen Utopie für eine Welt ohne Grenzen? Die Künstlerinnen und Künstler der Partyreihe „Cutting Borders“ sagen in diesem „Zündfunk“ Playback: „Ja, auf jeden Fall“. Denn Grenzen in Bezug auf Kultur, Musik und sogar auf geographische Grenzen passen nicht zur Art und Weise, wie sie Musik machen. Ihre Songs zeigen, wie man Grenzen aufbricht, wie Musikstile verschmelzen, elektronische Beats sich mit arabischer, indischer oder klassischer Musik vermischen können. Obwohl die Musik von DJs wie Acid Arab, Aly Mrabet, Benjemy oder Hiba Salameh dabei nicht explizit politisch daherkommt, ist sie es aktuell umso mehr – in einer Welt, in der sich Länder, Kulturen und politische Lager mehr und mehr voneinander abschotten. Alle Songs in dieser Stunde kann man als Gegengift zum Rassismus und Ethnonationalismus der neuen Rechten verstehen. Als musikgewordene Antithese der Idee, das bestimmte Kulturen einfach nicht zusammenpassen.
Wiederholung vom 7. März 2026
20:03 Uhr ARD Radiofestival. Konzert
Salzburger Festspiele / West Cork Chamber Music Festival
Salzburger Festspiele
Giuseppe Verdi: Requiem
Wiener Staatsopernchor; Wiener Philharmoniker
Leitung: Riccardo Muti
(Konzert vom 15. August 2026 im Großes Festspielhaus, Salzburg)
West Cork Chamber Music Festival
György Ligeti: Streichquartett Nr. 1 „Métamorphoses nocturnes“
NOVO Quartet
Wolfgang Amadeus Mozart: Streichquartett d-Moll KV 421
NOVO Quartet
Ludwig van Beethoven: Streichquartett cis-Moll op. 131
Calidore Quartet
(Konzert vom 27. Juni 2026 im Bantry House)
20:05 Uhr Deutschlandfunk Studio LCB
Aus dem Literarischen Colloquium Berlin
Zu Gast: Lukas Bärfuss
Gesprächspartnerinnen: Marlen Hobrack, Andrea Roedig
Moderation: Tobias Lehmkuhl
Aufzeichnung vom 1.7.2026
Als Anfang der siebziger Jahre viele vor allem männliche Autoren noch mit der Väter-Generation abrechneten, veröffentlichte Peter Handke mit „Wunschloses Unglück“ ein Buch, das vom Leben und Sterben seiner Mutter handelt und unmittelbar zu einem Klassiker der Mutter-Literatur avancierte. Viele weitere autobiographische Auseinandersetzungen mit Mutter-Figuren folgten seither. Und nun legt auch der Büchner-Preisträger Lukas Bärfuss ein Buch über seine Mutter vor, ein „kurzes Buch“, wie es im Untertitel heißt, aber „Königin der Nacht“ hat es in sich. Bärfuss’ Mutter lebte wie die von Peter Handke kein glückliches Leben, starb in Armut, eine sogenannte Rabenmutter ist sie ihrem Sohn gewesen, und nach ihrem Tod steht er vor den kargen Resten ihrer Hinterlassenschaft, wie er einst vor den traurigen Habseligkeiten seines Vaters stand. „Vaters Kiste“ heißt der Essay, dem sich nun das kurze Buch über die Mutter beigesellt. Zusammen mit dem Roman „Koala“ über den Selbstmord des Bruders liegt damit die Trilogie einer tragischen Familiengeschichte vor. Gemeinsam mit dem Autor gehen die Kritikerinnen und Autorinnen Marlen Hobrack und Andrea Roedig dieser Geschichte nach. Es moderiert Tobias Lehmkuhl
22:00 Uhr Deutschlandfunk Kultur Die besondere Aufnahme
„Hommage“
Flex Ensemble
Gérard Pesson: „Flex Horizon“
Gabriel Fauré: Klavierquartett Nr. 2 g-Moll op. 45
Maurice Ravel: „Berceuse sur le nom de Gabriel Fauré“ (bearbeitet für Klavierquartett von Gordon Williamson)
Deutschlandfunk Kultur / NEOS 2026
Hauptsache flexibel – das Flex Ensemble steht für Programme, die den Horizont erweitern. Vom klassisch-romantischen Repertoire bis zu interdisziplinären Kooperationen mit Tanz oder Theater.
22:03 Uhr Bayern 2 Radiospitzen
Salzburger Stier 2026: Der deutsche Preisträger Bodo Wartke
22:05 Uhr Deutschlandfunk Atelier neuer Musik
„Akkorde sind verletzlich“ Die schwedische Komponistin Lisa Streich
Von Yvonne Petitpierre
(Wdh. v. 16.3.2024)
Neben existentiellen Fragen an das Leben suchen ihre Kompositionen nach Verbindungen zwischen Musik, Ausführenden und Publikum.
Die Insel Gotland ist ihr Ort, hier hat die Komponistin ihren Arbeits- und Lebensmittelpunkt: Inmitten vielgestaltiger Natur findet Lisa Streich, Jahrgang 1985, Raum zur Entwicklung poetischer Klanglandschaften. Ihr Komponieren scheint zunächst weit außerhalb von Gesellschaft und Alltag zu stehen. In den Mittelpunkt rückt sie vielmehr die Komplexität des Augenblicks und des großen Ganzen. Wachsender internationaler Erfolg ist eine Bestätigung dafür. Musik im Konzertsaal versteht Lisa Streich als eine Gegebenheit, die nur sehr partiell der Realität gerecht wird. Als Komponistin fühlt sie sich deshalb gefordert, Visionen übergreifender Art zu entwickeln.
23:03 Uhr Bayern 2 Nachtmix
Sportfreunde Stiller (4/6): Unplugged. Ohne Strom auf den Thron
Mit Franziska Niesar
2008 der Ritterschlag: Der Musiksender MTV will mit Sportfreunde Stiller ein „Unplugged“ aufnehmen – ein Angebot wie ein Ritterschlag. Mit befreundeten Musikern, einem
Chor und einigen Gästen bereitet die Band ihr vielleicht größtes Projekt vor und lernt darüber die eigene Musik neu kennen und schätzen. Die Fans auch?
23:03 Uhr ARD Radiofestival. Jazz
Jacob Mann – Meister der kurzen Töne. Von Julian Camargo
Der US-amerikanische Pianist Jacob Mann schreibt Bigband-Musik mit eisenhartem Groove, Humor und Innovation. Julian Camargo spricht mit ihm über die Geschichten hinter seinen Kompositionen.
23:05 Uhr Deutschlandfunk Lange Nacht
„Selbst wenn wir dafür mit dem Leben bezahlen.“ Die Lange Nacht der Polarforschung
Von Günther Wessel Regie: Friederike Wigger
Nordpol und Südpol, Arktis und Antarktis waren lange Zeit Ziele hoffnungsvoller und verzweifelter Expeditionen. Ruhm und die Sehnsucht nach Heldentum lockten, bezahlt wurde mit Hunger und Entbehrungen, oft in monatelanger Dunkelheit, mit abgefrorenen Zehen, vielfach auch mit dem Leben. Der Nordpol wurde angeblich 1909 erstmals erreicht – wahrscheinlich nicht – , der Südpol sicher 1911. Die Lange Nacht erzählt die Geschichte der Polarforschung – von den ersten Expeditionen der frühen Neuzeit bis zu den modernen Forschungsmissionen. Sie erzählt von absurden Vorstellungen wie einem eisfreien warmen Meer an Nordpol, vom Glauben an die eigene überlegene Zivilisation, weshalb Expeditionen mit gut gefülltem Weinkeller, aber ohne Kenntnisse des Schlittenfahrens loszogen, von Entbehrungen und Dunkelheit in endlosen Polarnächten, von gefälschten Expeditionsberichten, von früher Gletscher- und Klimaforschung und der ersten Überwinterung eines Frauenteams in der Antarktis 1990 und heutigen Expeditionen, die versuchen, unser Erdsystem mit Hilfe von Glaziologie, Ozeanografie, Biologie und Atmosphärenforschung besser zu verstehen. Und nicht zuletzt vom Zauber des ewigen Eises – warum kehrten viele Polarforscher, die im ewigen Eis knapp dem Tode entronnen waren und denen Nase, Zehen und Hände erfroren, wieder zurück in das endlose Weiß?