„Reibung erzeugt Kraft“ Porträt des Moritz von Oswald Trios von Andreas Hartmann

Früher Techno-Großmeister, heute betreibt er Klangforschung zwischen Jazz und Dub Jazz: Ein Treffen mit dem Berliner Musiker Moritz von Oswald. Von Andreas Hartmann

Nun sitzt er vor einem, perfekt gekleidet in Anzug samt Einstecktuch, und man denkt daran, dass es Zeiten gab, in denen so ein Treffen mit Moritz von Oswald praktisch unmöglich war. Ab den frühen Neunzigern prägte er gemeinsam mit seinem musikalischen Partner Mark Ernestus den Berliner Techno wie kaum ein anderer.

Die beiden brachten als Basic Channel, Maurizio und unter anderen Alias–Namen eine vorher kaum gekannte Tiefe in den neuen elektronischen Clubsound. Sie imitierten nicht nur ihre Vorbilder aus Detroit, wo Mitte der Achtziger der Techno erfunden wurde, sondern reicherten ihn um neue Elemente an.

Ihre selbstgestellte Aufgabenstellung lautete: Wie lässt sich Techno mit pulsierendem, effektsatten Reggae-Dub amalgamisieren, praktisch Kingston an die Spree verlegen? Ein ganzes Sub-Genre kreierten die beiden: Dub-Techno.
In all den Jahren, in denen Moritz von Oswald und Mark Ernestus ihren weltweit verehrten Sound weiterentwickelten, schwiegen sie zu allem, was sie da machten. Wie für die Betreiber des Berghain heute galt auch für sie: Wir sind praktisch unsichtbar, es ist uninteressant, wer wir sind und wir reden nicht öffentlich über das, was wir machen.



© Tagesspiegel, Kultur, 13.8.2021

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